Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 25. Juli bis 28. Juli 1943.

((In SCHÖNEWÖRDE, Landkreis Gifhorn, Provinz Hannover, Freistaat Preußen))

Sonntag, 25. Juli 1943

Sonntags fährt der Zug 5.39 ab Uelzen nur bis Wittingen! Von dort bin ich bis Knesebeck mit meinem schw. Koffer an der Bahn runtergepilgert. Hinter Knesebeck traf ich dann den Milchwagen, der hat meinen Koffer mitgenommen. – Es sind sehr heiße Tage augenblicklich, richtiges Wetter für die Ernte!

Montag, 26. Juli 1943

Die Kinder laufen herum wie die Zigeuner! Klausemann nur mit der Badehose, Utalein im Trägerröckchen. Beide sind braun wie die Neger. Klaus hat einen Sonnenbrand. Die Rieth ((kleiner Bach, der durch Schönewörde, den Heimatort des Tagebuchverfassers, fließt, gw)) ist ihr Paradies. „Plasten“ u. Baden ihre tägliche Beschäftigung.

Dienstag, 27. Juli 1943

Grete, Heinrich u. Liselotte ((die Familie des Bruders des Tagebuchverfassers, gw)) kommen um 16.00. Wir haben schöne Stunden verlebt! – Unsere Wohnung ist wirklich ein Gedicht. Ich kann mich immer wieder darüber freuen. ((Es handelte sich um die Lehrerswohnung in der ersten Etage des damals neuerrichteten Schulhauses in Schönewörde, Landkreis Gifhorn, gw)). Wenn man nun kaufen könnte was man möchte u. wenn Frieden wäre!!! Ich hätte so gern einen Plattenspieler, um meine schönen Platten einmal zu genießen. ((Der Tagebuchverfasser besaß Schellack-Schallplatten, die er während des Krieges von seinem militärischen Aufenthalt aus Frankreich mitgebracht und diesem Tagebucheintrag zufolge anscheinend noch nicht angehört hatte, gw))

Mittwoch, 28. Juli 1943

Heinrich u. Grete bleiben bis Morgen. Es sind doch schöne Stunden, die wir hier gemeinsam verleben! Wann werden wir mal so zusammenkommen. Wer weiß, was uns noch alles bevorsteht. ((Im Oktober 1944 gerät der Tagebuchverfasser in vierjährige russische Kriegsgefangenschaft, gw)) – Unsere Mutti kocht immer ein prima Essen, wie in Friedenszeiten!

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