Kategorie: Calafat

Tagebucheintragungen ab der Gefangennahme 1944. 26. November 1944 bis 02. Dezember 1944.

26.11.1944. Baden u. Entlausung! Eine Wohltat das Baden. A((…?)) haben auf Kaffee u. Brot verzichten müssen. Gegen 1700 gab es Kohlsuppe u. Trockenbrot. In einer leeren Baracke schlecht geschlafen. Meine Bürste ist beim E((…?)) verloren gegangen.

27.11.1944. Eine Maggisuppe u. Trockenbrot. Wir sind noch in der leeren Baracke. Mittags Maissuppe u.5 Mann 1 Brot, außerdem Tabak, Zucker u. Rosinen. Tadellos! 1600 plötzlich Marschbefehl. Es geht überstürzt zum Hafen. – Gerücht, die Deutschen haben V2, V3, V4 eingesetzt. Sicher nur Gerücht.

28.11.1944. Schlecht in einem Kohlenschuppen übernachtet. Sehr voll. Morgens G((…?))suppe. 5 Mann 1 Brot. Offz, Tabak, Zucker, Rosinen((?)) ((…?)). Sehr ((…?)), wenn nur die ((…?))ung besser wäre. Wann geht es weiter? – Die Nächte sind furchtbar. Wir sind etwas in Bewegung gekommen. Unser Waggon wird einem Geleit angegliedert. 60 Zigaretten hat jeder bekommen. Der Kdt. ist eine vornehme Erscheinung, er

29.11.1944. ist achtenswert. Daß wir als Gefangene keine weißen Betten verlangen können, wissen wir. – Die Nacht war etwas besser. Wir haben nur kleine Bewegungen gemacht. Unser Geleit liegt unterhalb Wialin. Die Pontonbrücke ist passiert. Wann geht es weiter? – Die Sorge um das tägl. Sattwerden verdrängt alle niederen Sorgen. – Einmal wenigstens am Tage denke ich aber mal an ((…?)) Einzelheiten zu Hause u. an Mutti u. die Kinder. Wie schnell ist eine Umwertung aller Dinge eingetreten. Ich denke oft an unsern gut gedeckten Tisch, ach wie schön wäre das alles!

30.11.1944. Das Brot wird knapper, da die Reise noch nicht angefangen hat, ist ihr Ende auch noch nicht abzusehen, deshalb muß das Brot eingeteilt werden. Tabak gab es nicht, aber Rosinen. Die Hirsesuppe mittag schmeckte gut. Die Offz. werden ((…?)) gut behandelt. Wir bekommen nach wie vor 600g Brot, während die Mannschaft. ((Mannschaften, also einfache Soldaten, gw)) 8 Mann ein Brot bekommen zu etwa 2 kg. Es wird eingeteilt, weil die Reise länger dauert. Wenn ((…?)) überbleiben ((…?)).

1. Dezember 1944. Ein Toter lag heute bei uns im Laderaum. Wohl an Ruhr und ((…?))lung gestorben. – Es gab Rosinen u. eine ((…?))e Tabakportion, der Kdt. gab mir die R. persönlich. Er ist ein sympath., vornehmer Mann. Gegen 11.00 sind wir abgesegelt. 1 Schlepper, 5 Schleppkähne. Brotbeutel gegen 20 Zigaretten, B((…?)) gegen Tabak und Brot getauscht. – Beglückende milit. Nachrichten sind im Umlauf. Die Deutschen im Vormarsch in Ku((…?)) usw.

2. Dezember 1944. Wir sind 90 km voran gekommen. Haben gegen 18.00 gestern abend Anker geworfen, gegen 8.00 heute früh gelichtet. Gegen 13.00 wieder geankert in einem kleinen Hafen. Gestern noch Rasierapparat u. Seife gegen Tabak getauscht, heute einen Riemen. – Wir dösen so in den Tag hinein, eine trostlose Lage, u. morgen ist 1. Advent! Wie werden sie ihn zu Hause erleben, es ist furchtbar. Wäre man zu Hause, oder könnte man wenigstens Nachricht hinbekommen. Ich habe meinen Strumpf wieder geflickt. – Noch ein gutes Stück Seife gegen Tabak eingehandelt. – Morgen ist der 1. Advent, wie mag es zu Hause aussehen. In der Dämmerung habe ich an alles Schöne zu Hause gedacht ((…?)) wie es am Sonnabend zugeht, an die Kinder, die Mutti, an unsere schöne Wohnung. Es (…?) vor allen Dingen viel vom Essen erzählt, das was uns ((…?)) am meisten S((…?)) macht.

+++

Tagebucheintragungen ab der Gefangennahme 1944. 19. November 1944 bis 25. November 1944.

19.11.1944. Ein schöner Sonnentag, wie schön wäre es in der Freiheit! – Wir haben heute 8 Mann 1 Dose Käse bekommen, auch Hosen, Mäntel u. Schuhe hat es nochmal gegeben. 2 Nähnadeln gegen Tabak eingehandelt. Mit Rasch((?) ein Verzeichnis gemacht, wer alles hier war. – Brot ist nur diese Tage knapp.

20.11.1944. Gestern um 17.00 wurde ange((…?)) zum Abmarsch ganz plötzlich. Aufs Abendessen mußten wir verzichten. Gegen 20.00 kamen wir auf dem Bahnhof V.-Plana an ((Velika Plana, siehe untenstehende Karte, gw)). Das Einladen ging schon. 60 Mann pro Waggon. Die Nacht war eine Qual.Wir sind von V.-Plana noch nicht fortgekommen. Erst heute früh gegen 10.00 ging es fort.

21.11.1944. In Paradschin umgeladen. 60 Mann in Schmalspurbahn Waggon. Es ((gab, gw)) unerwartet ein Mittagessen u. auch Wasser. Bei eingebrochener Dunkelheit türmten Franzke, Langenbach u. der Franzose aus dem langsam fahrenden Zuge. ((…?)) für Durchkommen? – Es ist sehr eng!

22.11.1944. Die Nacht war schlimm! Gegen 4.00 müßten wir in Zajezar angekommen sein. Gegen 8.00 wurde der Zug in eine Ko((…?))anlage hin ausgezogen. Gelegenheit zum Austreten. Auf gutem ((…?)) untergebracht, gutes Mittagessen mit Fleisch. Mein 2. Mantel ist nun aber in 2 Tagen fort.

23.11.1944. 7.00 angetreten. Gute Morgensuppe. Gegen 9.00 bei angenehmem Wetter Richtung Vidin angetreten. Es ging durch Zajezar zurück bis Kula 24 km. Straße gut, angenehmer Marsch, kein „heide, heide“ u. „biesche, biesche“. Bewachung zurückhaltend. In Kula Unterkunft im Keller des Finanzamtes. Viel Lärm nachts.

24.11.1944. Morgensuppe, 5 Mann 1 Brot. Es schneit, Winter ists. Ein trostloser Marsch, der aber ganz ruhig verläuft. Sehr rücksichtsvolle Posten haben wir. Unterwegs türmen 2 Mann. Einer wird nach kurzer Verfolgung erschossen, der andere stellt sich bei einer Orts((…?)), wird den Russen übergeben u. erschossen. Seine ((…?))sfragen waren zu durchsichtig. 2.00 Vidin ((…?))

25.11.1944. Polizeigefäng. ((?))  ((…?)) gute Suppe. Für 500 Dinar = 25,00 RM habe ich mir so Art Strudel gekauft. ((…?)) ich war sehr satt. Es gab noch Zwieback, er war gut. Gegen 10.00 ab. B((…?)) S((…?)) geben Zug((…?)). 16 km bis zum Lager bei Kalafat. Ein ((…?)) der Donau. Über Pontonbrücke mit Affengeschw ((?)) über überschwemmtes Gebiet. Schrecklicher Matschweg. Sehr anstrengend. Bei anbrechender Dunkelheit im Lager. Ein p((…?)) russ. Kriegsgef.-Lager, von uns erbaut. Sehr gut angelegt. Zunächst ((…?)) in einer Baracke untergebracht. Wir haben gut geschlafen. Leider gibt es nichts (((…?)) zu essen/ Fußkranke g((…?))

+++

Abbildung: Rekonstruierende Kartendarstellung der Route (blaue Linie) des Gefangenentransports, an dem der Verfasser bis zum Zeitpunkt des obenstehend transkribierten Tagebucheintrags nach eigenen Angaben teilgenommen hat.