Kategorie: Deutscher

Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 09. August bis 12. August 1943.

((In TORGAU, Sachsen))

Montag, 9. August 1943.

Bis 10.00 habe ich gestern geschlafen. Abends war ich im Kino: „Ceuci“. Torgau ist ein langweiliges, dreckiges Nest. Eine anständige Buchhandlung ist da. – Die Abt. wird verlegt u. wir mit. Das OKH ((Oberkommando des Heeres, gw)) will die Räume als Ausweichquartier haben. Wir sind nicht böse darum, schlechter kann es anderswo auch nicht sein als hier. Es soll nach Bautzen gehen.

Dienstag, 10. August 1943.

Gestern hatten wir keinen Dienst gemacht. Die Verlegung wird schon vorbereitet. Um 11.00 sind wir dem Kdr. ((Kommandeur, gw)) der Fahr-Ers.-Abt. 4, der wir unterstehen, Major Dörrig vorgestellt worden. Er ist keine sympathische Erscheinung. Er stammt aus Hannover ((?)) u. ist Besitzer oder Pächter des Konzerthauses. Um 12.00 haben wir Koffer ect. Verladen, um 18.00 soll es losgehen. Um 22.00 ging es ab. Wir sind im Güterwagen gefahren.

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((Es folgt nun eine Eintragungslücke im Tagebuch. Bis zum Datum des 27.11.1943 hat der Verfasser keine Einträge mehr in diesem Tagebuch vorgenommen. Als er unter dem 27.11.1943 seine Tagebucheinträge insoweit wieder aufnimmt,  war der Verfasser nach allem Anschein wieder bei der Fahrersatz- und Ausbildungsabteilung 7 in Landshut, Bayern, eingesetzt, gw)).

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 04. August (Fortsetzung) bis 08. August 1943.

((In LANDSHUT, Bayern,  LEIPZIG und TORGAU, Sachsen))

Mittwoch, 4. August 1943 ((Fortsetzung von der vorangehenden Seite))

Wie hatte ich mich auf diesen Tag gefreut! Es wäre so schön gewesen, wenn ich mit ihm hätte arbeiten können. Er ist bestimmt nicht dumm. Wann werde ich mit ihm die Freude haben?! – 13.21 sind wir gestern von L. abgefahren. 20.45 waren wir in Leipzig. Im Hotel „Kaiser“ haben wir übernachtet, es war ein sehr  bequemes Zimmer. Ich wohnte noch mit einem Lt. ((Leutnant, gw)) zusammen. Es war unverschämt heiß die Nacht! Wir waren noch im „Kreises“ ((?)) u. haben uns den Quatsch etwas angehört. –

Donnerstag, 5. August 1943

Um 8.00 ab Leipzig. Der Zug war so voll, daß kein Platz mehr war. Wir sind im P((…?))wagen gefahren. 9.30 kamen wir in Torgau an. – Unsere Koffer sind nicht da! Die Mehrzahl der Kameraden war schon da- Alle die wir in Hannover waren, kamen hier zusammen. Ich liege mit Axmann, Fröhlich, Leonhardt u. Vetter Heinrich auf einer Stube. Die Stuben sind nicht gerade wohnlich. Es sollen Wanzen dagewesen sein. – 6.00 – 7.00 Uhr war gestern schon Stalldienst! Verdammte Schweinerei, so früh schon im Stall stehen! – Kino: „Die Jungfrau von Bischofsberg“ ((siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=ri-1S48xkLs, gw))sehr lustig (gestern abend).

Sonntag, 8. August 1943

Zum Reiten haben wir Berberhengste. Es sind ruhige Tiere u. tun keinem Menschen etwas. Aber wehe, wenn sie sich gegenseitig zu nahe kommen, dann gibt es Kleinholz! Oder wenn eine Stute in ihre Nähe kommt, dann sind sie nicht zu halten. Sie haben einen wunderschönen, weichen Trab u. einen eleganten, sicheren Galopp. Gestern abend Kino. „Heimatland“.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 01. August bis 04. August 1943.

((In HANNOVER, Freistaat Preußen, und LANDSHUT, Freistaat Bayern))

Sonntag, 1. August 1943.

((Fortsetzung des Eintrags vom 31.07.1943))
Tür klingeln. Ja, was waren das für schöne Stunden! – Ich habe mir dann die Stadt angesehen, die Conti u. die Vahrenwalderstr. haben doch allerhand abgekriegt ((gemeint sind Schäden durch gegnerische Fliegerbomben, gw)). In der Philippsbornstr. ((richtig: Philipsbornstr., gw)) war ich zum Vertreter der D.B.-Versicherung. Er war aber nicht da. Ich muß unbedingt eine Versicherung abschließen. – Um 14.19 ab Han. über Celle, Weißenfels, Jena.

Montag, 2. August 1943.

6.30 an München. 10.30 ab München, 11.30 an Landshut. Es hat niemand etwas gesagt, daß wir später kommen. Ich bin immer noch zu gewissenhaft, wäre ich einen Tag später gekommen, hätte niemand etwas gesagt. – Abends war ich im Kino: „Der Senior Chef“, ganz lustig der Film. Am 3. sollen wir fahren, ob wir es tun, müssen wir mal sehen.

Dienstag, 3. August 1943.

Den ganzen Tag haben wir verbummelt. Wir haben überflüssige Klamotten abgegeben, damit wir nicht soviel zu schleppen haben. Unsere Koffer haben wir als Reisegepäck aufgegeben, so haben wir bequemes Reisen. Wir sind neugierig, wie die Sache in T. ((Torgau, gw)) läuft. Abends im Kino: „Der feine Klang“, ein sehr schöner Film. Wir fahren morgen erst! Immer dumm u. f((…?)).

Mittwoch, 4. August 1943.

Heute soll es los gehen. Der Chef der 2., Hptm. Merker, hat Spektakel gemacht, daß wir uns nicht abgemeldet haben, wir waren aber noch nicht soweit. Banschneider ((?)) war schon weg, dem will er noch einen Strich durch die Rechnung machen. Ich habe mir noch ein paar prima Riecker Uniform-Halbschuhe gekauft. Heute ist unserm Klausemann sein 1. Schultag!

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 29. Juli bis 31. Juli 1943.

((In SCHÖNEWÖRDE, Landkreis Gifhorn, Provinz Hannover, Freistaat Preußen und HANNOVER-KLEEFELD))

Donnerstag, 29. Juli 1943.

Die Kleefelder sind um 20.00 Uhr gefahren u. Um 22.00 wiedergekommen. In Isenbüttel war der Zug weg. Ich müßte morgen nach Hannover, überlege es mir aber noch. Hamburg wird dauernd schwer angegriffen!

Freitag, 30. Juli 1943.

Um 14.00 sind die Kleefelder gefahren. Ich fahre nicht nach Hannover, da ich morgen abend schon fahre, um nach Hannover zu kommen, habe ich am Sonnabendmorgen in H. Zeit, alles zu erledigen.

Samstag, 31. Juli 1943.

Um 20.00 bin ich in Sch. ((Schönewörde, gw)) abgefahren, hatte in Isenbüttel guten Anschluß u. War um 23.00 in Kleefeld. In Heinrichs Wohnung wollte ich übernachten. Das Haus war zu! Bei Fuchs‘ habe ich mir den Schlüssel geholt, deren Haus war zufällig noch offen u. Erika Fuchs habe ich herausgeläutet. Auf der Couch habe ich die Nacht gut geschlafen. Ja, das war die letzte Nacht in der Wohnung, in der ich, wir, in den Wochen u. Monaten vorher so schöne Stunden verbracht haben! Wann werde ich dort mal wieder übernachten? Sicher nicht früher, als bis der Krieg vorbei ist. Mir war ordentlich ein bißchen  ((…?)), als ich so allein in der Wohnung war. Ich glaubte immer, jeden Augenblick muß unsere Mutti doch ((…?)) hereinkommen. Oder die Kinder müßten an der

((Fortsetzung unter dem 01. August 1943))

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 25. Juli bis 28. Juli 1943.

((In SCHÖNEWÖRDE, Landkreis Gifhorn, Provinz Hannover, Freistaat Preußen))

Sonntag, 25. Juli 1943

Sonntags fährt der Zug 5.39 ab Uelzen nur bis Wittingen! Von dort bin ich bis Knesebeck mit meinem schw. Koffer an der Bahn runtergepilgert. Hinter Knesebeck traf ich dann den Milchwagen, der hat meinen Koffer mitgenommen. – Es sind sehr heiße Tage augenblicklich, richtiges Wetter für die Ernte!

Montag, 26. Juli 1943

Die Kinder laufen herum wie die Zigeuner! Klausemann nur mit der Badehose, Utalein im Trägerröckchen. Beide sind braun wie die Neger. Klaus hat einen Sonnenbrand. Die Rieth ((kleiner Bach, der durch Schönewörde, den Heimatort des Tagebuchverfassers, fließt, gw)) ist ihr Paradies. „Plasten“ u. Baden ihre tägliche Beschäftigung.

Dienstag, 27. Juli 1943

Grete, Heinrich u. Liselotte ((die Familie des Bruders des Tagebuchverfassers, gw)) kommen um 16.00. Wir haben schöne Stunden verlebt! – Unsere Wohnung ist wirklich ein Gedicht. Ich kann mich immer wieder darüber freuen. ((Es handelte sich um die Lehrerswohnung in der ersten Etage des damals neuerrichteten Schulhauses in Schönewörde, Landkreis Gifhorn, gw)). Wenn man nun kaufen könnte was man möchte u. wenn Frieden wäre!!! Ich hätte so gern einen Plattenspieler, um meine schönen Platten einmal zu genießen. ((Der Tagebuchverfasser besaß Schellack-Schallplatten, die er während des Krieges von seinem militärischen Aufenthalt aus Frankreich mitgebracht und diesem Tagebucheintrag zufolge anscheinend noch nicht angehört hatte, gw))

Mittwoch, 28. Juli 1943

Heinrich u. Grete bleiben bis Morgen. Es sind doch schöne Stunden, die wir hier gemeinsam verleben! Wann werden wir mal so zusammenkommen. Wer weiß, was uns noch alles bevorsteht. ((Im Oktober 1944 gerät der Tagebuchverfasser in vierjährige russische Kriegsgefangenschaft, gw)) – Unsere Mutti kocht immer ein prima Essen, wie in Friedenszeiten!

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 21. Juli bis 24. Juli 1943.

 ((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne, Dienstreise nach MÜNCHEN, LANDSHUT und zurück nach SCHÖNEWÖRDE, Provinz Hannover.))

Mittwoch, 21. Juli 1943

Heute war kein Dienst. Wir haben nur Uniformteile beschafft. Ich habe noch eine tadellose Schirmmütze bekommen. Nachmittags war ich bei Margar. ((Margarete, die Schwägerin des Tagebuchverfassers, gw))., ich habe die Mütze dort gelassen. – Auf der Schlageter Kampfbahn in Linden das Silberne Sportabzeichen gemacht. Alles bestanden. Die 10 000 m sind mir sauer geworden! Mit Margar. noch bei Knickmeyer ((?)) gegessen. Seit 12.00 Uhr hatte ich nichts gegessen.

Donnerstag, 22. Juli 1943

Um 16.00 begann in den Maschseegaststätten der Abschiedsabend der Inspektion. Es war sehr nett. Ein hervorragendes Essen gab es. Gebratene Scholle, deutsches Beefsteak mit Erbsen((…?)), Eis. Prima zubereitet war alles. Kräfte von ((…?))haus u. K.d.F. ((Kraft-durch-Freude-Organisation, gw)) verschönten den Abend. Um 24.00 etwa sind wir abgezogen, um 1.38 früh fuhr unser Zug nach München, er war so voll, daß wir den nächsten D-Zug nahmen.

Freitag, 23. Juli 1943

Um 14.00 etwa in München, 16.59 weiter nach Landshut. In München habe ich mir noch einen Degen ((?)) gekauft. Der Zug nach Landshut war gestopft voll! Es war nicht reinzukommen. In L. regnete es stark. Wir sind abends nicht mehr ausgegangen, haben unseren Urlaub angemeldet u. haben uns in die Falle gelegt. Der neue Lehrgang findet nicht in München, sondern in Torgau statt.

Sonnabend, 24. Juli 1943

Um 9.00 dem stellvertr. Kdr. ((stellvertretenden Kommandeur, gw)) vorgestellt. Um 13.09 ab nach Hause. Ab München 16.00. Ich bekam einen schönen 2. Kl. Platz, das ist für solch eine Strecke sehr von Vorteil. Die Fahrerei hängt mir zum Halse raus. Bis Uelzen konnte ich durchfahren, das war günstig.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 17. Juli bis 20. Juli 1943.

((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne))

Sonnabend, 17. Juli 1943.

Dienst ist nur wenig. Es ist kein Schwung mehr drin. Jetzt könnte der Lehrgang noch 4 Wochen dauern. Um 12.30 gleich nach Kleefeld rausgefahren. Mit den Kindern in der Stadt gewesen. Bei Flakmann versucht, Stiefel zu bekommen. Alle waren mir zu klein. Bei Dier((…?)) gewesen wegen Uniform. Ernst Kuppenbergs Eltern besucht. Er ist im Osten.

Sonntag, 18. Juli 1943.

Mit den Kindern am Klavier gesungen. Die Kinder haben schon ihre kleinen Freunde u. spielen unten mit auf dem Hofe. Nachmittags waren wir in der Eilenriede u. haben an der Rollschuhbahn den Rollschuhläufern zugesehen. Klaus konnte nicht genug kriegen. Abends kommt dann aber immer wieder das Abschiednehmen.

Montag, 19. Juli 1943.

Wir haben am Nahkampfplatz Sand geschaufelt. Man hat fast keine Arbeit mehr für uns. Nachmittags haben wir unsere Waffen abgegeben. Gott sei Dank! Die sind wir los. Als MG-Bereitschaft habe ich mich vertreten lassen u. bin nach Kleefeld rausgefahren. Wir essen dort immer ganz feudal. Wir haben mit Wehmut daran gedacht: Es war das letzte Mal!

Dienstag, 20. Juli 1943.

Um 5.00 Uhr war schon Wecken. Es ging zur Hindenburg Kampfbahn. Der 13. Fahnenjunkerlehrgang hatte sein Sportfest. Die 100 m bin ich in 13,5 Sek. gelaufen, Weitsprung 4,65 m, Handgranatenweitwurf 37 m, 2000 m 7 min, 34 Sekd. – Nur beim 100 m Lauf habe ich mich angestrengt. Bei den anderen Übungen nicht. Nachmittags waren Fußball= u. Handballspiel. Das Handballspiel hat unsere 5. Insp. ((Inspektion, gw)) gewonnen.

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