Kategorie: entlausung

Exkurs: Entlausungsschein des Tagebuchverfassers von 1943.

E-Schein. Entlausungsschein. Der Inhaber dieser Bescheinigung (Isensee, Uffz., Feldpostnummer 43 492) ist heute hier entlaust worden. Er ist frei von ansteckenden Krankheiten und Ungeziefer und somit zur Benutzung der vorgesehenen Beförderungsmittel zur Erreichung seines Bestimmungsortes zugelassen. Die Bescheinigung ist in das Soldbuch einzulegen und auf Verlangen den Überwachungsorganen der Wehrmacht vorzuzeigen. Tagesstempel, 9.3.43. Stempel der Entlausungsanstal.t A/0212 968 12.42.

Tagebuch, Band Januar 1945 bis Juni 1945: 9. März (Fortsetzung) bis 12. März 1945.

(Linke Seite).

Fortsetzung des Eintrags vom 9.3.45.

Quarantäne aber noch nicht teilnehmen können. Gestern nachmittag war wieder Entlausung. Bei der Lauseuntersuchung, die 10 Tage((?)) lang stattfindet, waren bei 2 Auskündern ((?)) Läuse gefunden worden. WB, Schb, Butterschmalz 30g, Bauerns., Erbsen-Käse, Kohl-Kartoffelsalat.

Sonnabend, 10.3.45. Prachtvolles, kaltes, sonniges Winterwetter. Ich denke viel nach Hause. Der Krieg geht wohl seinem Ende entgegen. Milit. Nachrichten werden jeden Tag bekannt gegeben. Stalp u. Belgard sind gefallen, im Westen Köln. Gestern war ein naturw. Vortrag über den Mond. Gestern abend ein Abend deutscher Dichtung, ein Balladenabend. Ganz vorzüglich war letzterer! „Der Totspieler“, „Die Kraniche des Ibykus“, „Archibald Douglas“ usw. wurden tief empfunden vorgetragen. Heute morgen sprach Obstabsarzt Dr Schöne vom B.d.O. über „Nachkriegsprobleme“. Er sprach ganz ausgezeichnet. Hatte gute Ideen. Ich bin jetzt innerlich bereit, dem Bund beizutreten. Sein Vortrag war ein Lichtblick in unsere schwere Zukunft, die er allerdings nicht rosig malte. Gestern habe ich eine Nähnadel gegen 600g Schwarzbrot getauscht. Essen wie immer.

(Rechte Seite).

Sonntag, 11.3.45. Ein sonniger Wintertag ging in Schneetreiben über. Ich habe einen regelrechten Durchfall, wahrscheinlich zuviel Wasser getrunken. – Die kulturelle Betreuung ist ausgezeichnet!  Gestern war ein Vortrag über „Gebirgsbildung“. – Ich hatte gestern Türposten, heute Reinigungsdienst. Gestern u. heute bin ich gut satt geworden. Die 600g Brot für die Nadel haben geholfen. – Nachmittag ist evgl. Gottesdienst u. um  … kathol. Messe. Der Gottesdienst hat mit nicht gefallen.

Montag, 12.3.45. Gleichbleibendes Winterwetter. – Mein Durchfall ist vorüber. Gestern abend begann ein Zyklus „Durch deutschen Wald u. deutsche Flur“. Als erstes Thema „Hermann Löns“. Ein ausgezeichneter Vortrag. Heute abend wird aus Werken von Löns gelesen. – Die ärztl. u. hygienische Betreuung ist

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Tagebuch, Band Januar 1945 bis Juni 1945: 02. Februar bis 06. Februar 1945.

 (Linke Seite).

Freitag, 2.2.45. Das Holz ist augenblicklich sehr knapp, wir haben es nicht gut warm. Aber gut geschlafen habe ich. Ich war nur 2mal draußen. Es wird fest versprochen ((?)), daß es am 6.2. fortgehen soll von hier. – Mein Furunkel ist zur Besserung, heute ist der ((?)) entfernt. – Die Russen stehen vor Frankfurt/Oder. Wir rechnen fest damit, daß der Krieg Febr.-März zu Ende geht. Essen: 2mal Graupen.

Sonnabend, 3.2.1945. Gut geschlafen. Nicht draußen gewesen. Die Sonne bekommt schon Kraft, in der Sonne taut es stark. Die Nächte sind noch kalt, der Abtransport scheint anzugehen. Bei unserer Mutti habe ich mir an Essen gewünscht: Erbsenpüree mit Sauerkraut. Wir haben heute zum 1. Male Weißbrot bekommen. 1/2 Weiß 1/2 ((?)). Es schmeckt sehr gut. Der Tauschhandel mit den Ital. blüht. 1 Magenportion Brot gegen 5 -8. Kartoffeln oder ((?)) Gurke oder 2-3 Zigaretten oder 6 Stück Zucker.

(Rechte Seite).

Sonntag, 4.2.45. Ein schöner Vorfrühlingstag. Nur der Schnee stört noch. Wir waren zur Entlausung. Mit Einbruch der Dunkelheit kamen wir mit einem Mordshunger wieder zurück. Was ist die 1 ((…?))dose voll Graupensuppe. Ob der Abtransport angeht? Wir sitzen im Kalten, es ist kein Holz da. Milit. Nachrichten liegen nicht vor. Ich denke viel an Hause.

Montag, 5.2.1945. Neblig und kalt ist es heute. Wir haben kein Stück Holz zum Heizen. Morgen soll der Abtransport erfolgen. Ich ((…?)) nicht dann. Mein alter Furunkel ist noch nicht weg, da bildet sich vorn am Hals schon ein neuer. Zu Hause wünsche ich mir Bohnensuppe mit Sauerkraut, das soll gut schmecken. – Erbsensuppe, Graupen.

Dienstag, 6.2.1945. Weiter neblig, kalt. Gut geschlafen. Meine Beine machen mir z.Zt. keine Beschwerden. Der Abtransport soll in den nächsten Tagen angehen. Hoffentlich! Militärische Nachrichten bringen nichts wesentlich Neues. Frankfurt/ Oder ist noch nicht gefallen. Wenn es nur schnell zu einem Ende käme! Wie mag es zu Hause gehen? Mais – Erbsensuppe gut: Nachschlag.

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Tagebuch, Band Januar 1945 bis Juni 1945: 20. bis 22. Januar 1945.

(Linke Seite. Handschrift in Bleistift am unteren Seitenrand, unterhalb eines Formulardrucks mit kyrillischer Schrift. Textanschluß von der rechten Seite unten.)

auf alle Fälle so gut essen wie es die Zeiten gestatten. Wie oft sitze ich im Geiste am gedeckten Tische bei unserer Mutti!  Um 1700 gab es noch Entlausung. Gegen 2230 waren wir fertig.

(Rechte Seite.)

Sonnabend, 20.1.45. Der Fleckfieberverdacht hat sich bewahrheitet. Es ist jetzt strenge Quarantäne verhängt. – Mein Stuhlgang ist wieder vollkommen in Ordnung. Das Essen schmeckt mir ausgezeichnet, ich habe dauernd Hunger. Das Wetter ist weiterhin schön, so möchten wir es lange behalten.

Sonntag, 21.1.45. Es hat geschneit über nacht. Leichter Frost. – Eine grüne Bohnensuppe gab es heute morgen wieder. Das Essen ist überhaupt sehr gut jetzt. – Heute abend soll es weggehen! Vorher entlausen und dann ab. Ich bin gespannt ob es angeht. Sicher wegen der Typhusgeschichte. Was habe ich immer für einen Hunger!

Montag, 22.1.45. Der Abtransport ist nicht angegangen. Nur vom Lager I sind gestern Leute abtransportiert. Nicht mal zum Entlausen sind wir gekommen. – Wir haben leichten Frost mit Sonnenschein. Herrliches Winterwetter, Holz verschaffen wir uns von einem Tag zum anderen. Unsere Gespräche drehen sich immer um die Zubereitung von Essen. Alle Arten werden durchgesprochen. Besonders die bay. Mehlspeisen. Wenn ich mal wieder nach Hause komme, dann wollen wir

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Tagebuch, Band Januar 1945 bis Juni 1945: 13. bis 16. Januar 1945.

(Linke Seite: Handschrift in Bleistift am unteren Seitenrand, unterhalb eines Formulardrucks mit kyrillischer Schrift. Textanschluß von der rechten Seite unten.)

Zucker! Ist das ein Genuß! 6 Würfel bekommen wir pro Tag, das sind 40g, eine ganze Menge. Ein schöner Sonnentag ist heute, sonnig kalt. Das Essen ist eben ausgezeichnet!

(Rechte Seite) 

Sonnabend, 13.1.45. Eine gute Nacht gehabt. Ich bin nicht einmal draußen gewesen. Der Durchfall ist aber noch nicht beseitigt. Es wird aber schon werden. – Das Essen ist jetzt gut, nur das Brot ist anders geworden. Es enthält sehr viel Mais und Soja. – Es ist kalt draußen u. unser Ofen bleibt den größten Teil des Tages auch kalt, wir haben keine Feuerung. – 2mal mußte ich nachmittag zur Latrine.

Sonntag, 14.1.45. Die Nacht war einigermaßen. 2mal mußte ich zum Pinkeln raus. Die Suppe schmeckt mir, aber das Brot noch nicht. – Heute morgen gab es Zucker, welch eine Überraschung! Der Körper hat ihn groß nötig. – Es ist kalt heute. Wie schön wäre es am Sonntagmorgen zu Hause. Wir müssen uns unser Holz so zusammensuchen.

Montag, 15.1.45. Mein Durchfall ist überwunden. Ein Glück. Bei dem Sturm auf der Latrine sitzen ist kein Vergnügen. Jedesmal denke ich: wohl (…?) jetzt auf dem Klo zu Hause! Es gibt weiterhin Zucker! Eine Wohltat für den Körper. – Um 1100 zur Entlausung, sehr langweilig. Es wird wieder vom Abtransport geredet. Ob es angeht?

Dienstag, 16.1.45. Ganz gut geschlafen. Es war mir fast zu warm. Geheizt war nicht. Ich trinke jetzt jeden Morgen einen Becher Tee mit

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Tagebuch, Band Januar 1945 bis Juni 1945: 4. bis 8. Januar 1945.

(Linke Seite: Handschrift in Bleistift am unteren Seitenrand, unterhalb eines Formulardrucks mit kyrillischer Schrift. Textanschluß von der rechten Seite unten.)

Die Probesuppe war so dick daß ein Löffel drin stehen konnte u. die empfangene Suppe war sehr dünn. Man spricht vom Transport nach Kasan. ((Link öffnet eine Googlemaps-Seite. Kasan liegt ca. 2.200 km vom Balkan, dem Gebiet der Gefangennahme des Tagebuchscheibers entfernt, gw)) Es ist so dreckig draußen, daß man kaum raus kann.

(Rechte Seite.)

Donnerstag, 4.1.45. Um 1400 ging es zur Entlausung. Das starke Schwitzen hat uns sehr mitgenommen, – Es geht mir sonst wieder gut, das Essen schmeckt gut nur Schienenbeine, Knie und Oberschenkel schmerzen noch. – Nachts muß man immer 4-5 mal raus. – Das Wetter ist milde. Wir haben nichts mehr zu heizen.

Freitag, 5.1.45. Ich war beim Arzt wegen meiner Knochen. Ich habe Pulver bekommen. – Man spricht allgemein vom Abtransport. Morgen soll es fortgehen. Wir sind froh darüber. Wir haben augenblicklich sehr knapp Kohlen. Das Essen ist gut und reichlich eben.

Sonnabend, 6.1.45. Schon wieder eine Woche herum, die Zeit vergeht Gott sei Dank sehr schnell. Mein Pulver wirkte prompt, ist aber leider nur eine Betäubung des Schmerzes, keine Beseitigung. – Vom Abtransport hört man nichts mehr.

Sonntag, 7.1.45. Wir haben starkes Tauwetter mit Südwind. Frühlingsahnen! – Seit gestern gibt es keine Kohle(?) mehr. Es ist nun schon mal (unleserliches Wort). Der russ. Propagandist hat gestern einen Lagebericht gegeben. Der Krieg muß bald zu Ende sein! Nach einem Ende kommt auch wieder ein Anfang, wenn auch noch so schwer.

Montag, 8.1.45. Das warme Wetter hält an. Man sagt, daß mit dem Januar der Winter hier vorbei ist. Schön wäre es. Es mangelt uns sehr an Feuerung. – Meine Gliederschmerzen machen mir  nachts viel Beschwerden. Der Arzt meint, es ist rheumatisch. – Es ist heute wieder eine Beschwerde(?) m (…?). Dem Essen (…) lassen. Aus 100g Hirse u. 5g Mehl ist eine (unleserliches Wort) Suppe gekocht worden.

 Die Umschlagseite des Bandes.