Kategorie: Gentechnik

Gengütetest. Versicherungsmathematik.

1. Gengütetest: Hand einlegen. 2. Risikenliste entnehmen.
Grünner: „Mit dieser Erbgutproblematik werden Sie sich die Lebensversicherungsprämie kaum leisten können!“
Baas: „Sie aber auch nicht, weil Sie mit Ihren Super-Genen der einziger Versicherte sein werden!“
(2012).

Unter der Gentest-Fuchtel.

Der Fortschritt der Ermittlungstechnologie bedeutet immer auch das Eintreten neuer gesetzlich zwar nicht festgelegter, aber unausgesprochen wirksamer Zwänge für den Bürger. Wer sich bei einem Massengentest weigert, seine Gendaten preiszugeben, setzt sich Verdächtigungen aus, eine aufzuklärende Straftat decken zu wollen oder an ihr beteiligt gewesen zu sein. Ob die bei dieser Gelegenheit vom Staat gewonnenen Gendaten immer nur im Zusammenhang mit der Aufklärung eines Verbrechens verwendet und danach gelöscht werden oder ob stetig leistungserhöhte Speicher- und Datenverarbeitungstechnologien die Behörden dazu verleiten, Gendaten legal oder illegal auch anderen Zwecken zuzuführen, entzieht sich den Blicken des Bürgers. Weiterer Aspekt: Was passiert bei Fehlauswertungen der Gendaten? Wenn Fehler oder Böswilligkeiten beim Gentesten passieren und Getestete zu Unrecht als Täter identifiziert werden? Waren ein Beschuldigter oder sein Anwalt früher bei einer behaupteten Überführung durch Fingerabdruck im Zweifel in der Lage, Fingerabdrücke selbst noch einmal zu vergleichen und das Gericht gegebenenfalls auf Abweichungen hinzuweisen, ist ihnen eine vergleichbare persönliche Nachkontrolle im Falle der Gentest-Verfahren in aller Regel nicht mehr möglich. Der entscheidende Gentestungs-Vorgang spielt sich hinter Labortüren unter den Händen von Experten ab und gleicht insoweit einer Black Box. Auch die Interpretation des Ergebnisdiagramms bedarf der Fachkunde.

 Im Bild schwingt Innen- und Polizeiminister Klaus Buß (SPD) die DNA-Test-Keule. „Nun? Fühlen Sie sich nicht auch schon viel sicherer?“ Pflichtschuldige Antwort: „Sichersichersicher, selbstverständlich, stets zu Diensten …“ (2004).