Kategorie: Kunst

Bronze-Badeente: Köstlicher Schwachsinn im Dienste der Wissenschaft.

Die in Bronze gegossene Form einer gelben Plastik-Badeente dient einem Glastür-Eingang am Deutschen Haus, Flensburg, als Türdrücker. Sie erinnert den Kenner (keine Hinweistafel informiert darüber) an das erste deutsche (Bade-)Entenrennen  unter dem Titel „Enten-Regatta“, das am 2. Oktober 1993 auf dem Flensburger Mühlenstrom stattfand.

4.302 baugleiche Plastikenten (Quelle: „Flensburger Tageblatt“ vom 4. Oktober 1993) wurden auf dem Gelände der Papierfabrik „Feldmühle“, heute Mitsubishi Paper, in den nach Norden fließenden Mühlenstrom eingesetzt und waren auf ihm etwa eine Stunde unterwegs. Der Zieltrichter befand sich an der Hafenspitze (zugleich Südspitze der Flensburger Förde), in die der Mühlenstrom unterirdisch verrohrt einfließt. Dort warteten 5.000 begeisterte Badeenten-Eigner und neugierige Zuschauer gespannt auf den Zieleinlauf.

Einige Wochen zuvor hatte ein Probelauf für die Badeenten stattgefunden: 500 Exemplare waren in den Lautrupsbach eingesetzt worden, der von Osten durch ein romantisch begrüntes Tal in den Flensburger Hafen fließt. Hier stellten sich allerdings Schwierigkeiten ein – es gab zuwenig Strömung, zuwenig Schub. Deshalb entschied man sich am Ende für den Mühlenstrom als Regattastrecke.

Ideengeber und Organisator dieser innovativen und äußerst erfolgreichen Badeenten-Veranstaltung, die deutschlandweit viele Nachahmer fand und findet, war der Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Flensburg (FHF, oder FH), Dipl.-Ökonom Thomas W. Friedrich. Dieser wirkte einige Zeit später als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Deutschen Hauses und veranlaßte in dieser Eigenschaft die Montage des im Bild gezeigten Enten-Türdrückers, der sich bis heute an Ort und Stelle befindet.

Das Veranstaltungsplakat, das die gelben Badeenten im Wasser und Stockenten im Flug vor blauem, bewölktem Himmel zeigt, wurde von dem Flensburger Künstler Gert Hagel illustriert. Dieses Plakat kündigt an: „Veranstaltungen im Regatta-Zelt. 1. Okt.’93: Oktober-Party mit Live-Musik und vielen Enten-Überraschungen. 2. Okt.’93: Enten-Party mit Live-Musik und der Gruppe „Trio Nimmersatt“. Karten erhältlich bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Eintritt für die Zeltveranstaltung je Tag DM 10,–. Enten in fast allen Flensburger Geschäften erhältlich, sowie im AstA-Büro der FH und PH ((PH steht für Pädagogische Hochschule, gw)) — Stückpreis: DM 6,–. Veranstalter: Fachhochschule Flensburg.“ Die Verbindung zur Fachhochschule Flensburg erklärt sich daraus, daß Studenten der FH damals an der Entwicklung innovativer Wasserfahrzeuge arbeiteten, die bereits im Jahr zuvor, vom 30. April bis 3. Mai 1992, auf der „XIII. Internationalen Waterbike Regatta “ an der Flensburger Hafenspitze zu sehen waren. Die Flensburger waren mit einer Konstruktion namens „Flying Magic“ am Start. Der Überschuß aus der Enten-Regatta des Jahres 1993 sollte der „Arbeitsgemeinschaft Tretboot“ der FH zugute kommen.

Das „Flensburger Tageblatt“ veröffentlichte hierzu am 16.10.1993 einen Artikel mit der Überschrift: „Köstlicher Schwachsinn im Dienste der Wissenschaft“. Darin wird der Organisator Friedrich mit den Worten zitiert: „Wissenschaft muß auch Spaß machen“. Weiter heißt es dort: „(…) das vordergründig unsinnige Wettschwimmen der gelben Plastikdinger hatte nach seiner ((Friedrichs, gw)) Ansicht durchaus ernstzunehmenden Charakter. Technisch, betriebswirtschaftlich, kulturell, mathematisch, psychologisch oder soziologisch. Die Forschungsansätze seien disziplinenübergreifend. ‚Vom Physiker bis zum Philosophen — die Badeente berührt nahezu alle Lebensbereiche'“. Friedrich, in demselben Artikel: „Die Gesellschaft hat das zweckfreie Spielen verlernt.“ und „Es ist nichts Esoterisches. Jeder kann mit seiner Ente machen, was er will. Soziologisch hochinteressant, wie sich das Individuum zu seiner Badeente verhält. Sie hat nichts Elitäres, sie ist für alle da – und beschert nahezu unendliche Einsatzmöglichkeiten,“

Auf der Teilnahmekarte wurde der Name und die Adresse des Besitzers, die Nummer und der Name der Ente vermerkt:

Foto (Türdrücker) aus dem Jahre 2012.

Bronze version of a rubber duck: Delicious idiocy in the service of science.
The form of an originally yellow rubber duck cast in bronze serves as handle on a glass door entrance at Deutsches Haus, Flensburg, northern Germany. The connoisseur knows the background, as there is no hint or sign: the first rubber ducks‘ race („Duck Regatta“) in Germany ever, which took place on October 2nd, 1993 on Flensburg’s Mühlenstrom river. The revenues of this event were used for financing students‘ works in developing waterbike vessels at Flensburg’s School for Applied Sciences (Fachhochschule Flensburg).
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Kulturindex im Unternehmen. Kulturverkauf des Künstlers.

Karikaturzeichnung von 1990 für einen Prospekt der Veranstaltung „Kultur versus Ökonomie – ein unnötiger Grenzstreit?“, stattgefunden zu Glücksburg (Ostsee), 1990.

Culture Index in corporation. Artist’s sales of culture. Caricature drawing as of 1990 for a prospectus of convention „Culture versus Economics — an unneccessary Boundary Dispute?“, taken place in Gluecksburg (Baltic Sea), northern Germany, 1990.

Grenzfälle des Urheberrechts.

Baumarbeiten mit der Motorsäge. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sind zerknirscht, als sie eine Standpauke des Bildhauers Raugust Odin entgegennehmen: „Hier! Katalog des Museum of Modern Art. Meine Preisgekrönte Skulptur von 1962 … machen Sie sich auf einen saftigen Urheberrechtsprozeß gefaßt!“ (2008).

Limiting cases of copyright. Tree work with a chainsaw. The employees of public services are contrite, as they receive a dressing down by sculptor Raugust Odin: „Here! Catalogue of the Museum of Modern Art. My Award-winning sculpture from 1962 … be prepared for an expensive copyright lawsuit!“ (On catalogue: „Big construction“) (2008).