Kategorie: soldat

Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 29. November bis 30. November 1943.

((In LANDSHUT, Bayern, Schoch-Kaserne))

Montag, 29. November 1943.

Gestern haben wir 49 Rekruten bekommen. Ich habe heute morgen schon 2 Std. Unterricht gegeben. Wann wird die Abstellung kommen? Bis Weihnachten bleibe ich sehr gern hier, dann wäre ich doch endlich mal Weihnachten zu Hause! 3 Weihnachten war ich nicht im Hause. 1940 in Lil sur le Doubs ((gemeint ist wohl: L’isle-sur-le-Doubs, eine Gemeinde mit ca. 3.000 Einwohnern im Jahr 2014, gw)), 1941 Besançon, 1943 Rußland (Olchowez). Gestern sprach Gauleiter Kaufmann zu den Hamburgern hier ((Karl Otto Kaufmann (1900-1969) war von 1929 bis1945 NS-Gauleiter von Hamburg, gw)). Alle Männer weinten, als er ihnen von Hamburg sprach ((gemeint ist die Bombardierung Hamburgs durch britische und US-amerikanische Flieger im Juli/ August 1943, gw)), von dem, was ist, u. was in Zukunft getan werden soll. Im Juli waren die Angriffe. Mitte nächsten Jahres, hofft er, alle Hamburger wieder zurückholen zu können. ((Wikipedia zu „Operation Gomorrha“, Abruf am 24.04.2017: „Insgesamt flohen nach den Angriffen etwa 900.000 Hamburger aus der Stadt in das Umland oder in die „Aufnahmegaue“ in Bayern und Ostdeutschland bzw. Polen. Noch im Dezember 1943 waren 107.000 Hamburger in Schleswig-Holstein ausquartiert, 58.000 im Gau Bayreuth, 55.000 in Magdeburg-Anhalt, 45.000 in Ost-Hannover und 20.400 in Danzig-Westpreußen“, gw)). 32.000 Tote sind in Ohlsdorf beerdigt. ((Wikipedia zu „Operation Gomorrha“, Abruf am 24.04.2017: „Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich die Kriegsgräberstätte Bombenopfer Hamburg-Ohlsdorf. Sie umfasst die Bombenopfer-Einzelgrabanlage und ein großes kreuzförmig angelegtes Massengrab mit breiten Armen von über hundert Meter Länge zwischen Eichen- und Kirschenallee. Im Mittelpunkt dieser kreuzförmigen Fläche wird der hier beigesetzten 36.918 Bombenopfer mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks gedacht. Dargestellt ist der Totenfährmann Charon, der ein Brautpaar, einen Mann, eine Mutter mit Kind und einen Greis über den Acheron setzt. Das Denkmal wurde am 16. August 1952 unter starker Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und ist bis heute der Ort für die offiziellen Kranzniederlegungen des Hamburger Senats.“, gw)).

Dienstag, 30. November 1943.

Nur die Ausbildung am Fahrlehrgerät geleitet. Nachmittags frei. Leider wurde dieser freie Nachmittag ausgefüllt durch die Anfertigung eines Abt.-Befehls. Morgen will der Kdr. General ((Kommandierender General, Befehlshaber eines Korps, gw)) zum Plau((…?))ziel kommen. Da mußten „die jungen Herren“ den Abt.Befehl mit anfertigen. Ob er richtig ist oder nicht, soll uns schnurz sein. Kleiner, Kolb, Bergmann u. Ich haben ihn zusammen angefertigt. – Wir sind nun schon 14 Tage hier u. von unserer Abstellung rührt sich noch nichts.  Wenn es uns auch hier keineswegs gefällt, so sind wir doch nicht blöd, wir wissen, daß wir es hier hundertmal besser haben, als in Rußland. Das Essen ist ausgezeichnet. Die „Herren“ sind teils weniger nett, sie sind sehr reserviert. Besonders unser Schwadronsführer ist so reserviert. Er sagt uns kein Wort. Uns soll es recht sein. Die Zeit, die hier gut hingeht, kommt in Rußland nicht schlecht wieder. Unsere Mutti schrieb, daß Königs in der Nacht vom 26. zum 27.11. abgebrannt sind. Werkstatt u. Scheune an der Werkstatt ist alles abgebrannt. Aus der Scheune hat man das Korn gerettet. Unsere Zimmer sind den ganzen Tag ungeheizt. Nur abends wird für eine Stunde Dampf durchgelassen.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 27. November bis 28. November 1943.

((In LANDSHUT, Bayern, Schoch-Kaserne))
((Fortsetzung der Tagebucheinträge nach einer zeitlichen Lücke seit dem letzten zurückliegenden Eintrag unter dem 10. August 1943)).

Sonnabend, 27. November 1943/ Sonntag, 28. November 1943.

Zweimal Fahrschule gemacht mit den Berbern. Eine gemütliche Angelegenheit. Um 10.30 war ich fertig. – Im Kino gewesen: „Das Bad auf der Tenne“, ein lustiger Farbfilm. 2 Elfenbein-Miniaturen gekauft. „Königin Luise“, „Friedr. Der Große“. 49,00 RM. Was nützt das Geld, hinüber, über die Bilder werde ich mich immer freuen. – Ritzer u. Flammer waren hier. Flammer wußte manches von den Kameraden. Im Mai sind sie von der Kol. ((Kolonne, gw)) zur Kampfschule gekommen u. von da zur Inf. ((Infanterie, gw)) Wandel, Farler, Wild, Klika((…?)) sind noch bei der Kol.  Riedel, Wasinger, Hapmeier, Spittaler sollen in Gefangenschaft sein. Rohleder, Heidar, Göller sollen tot sein. Der Rohleder u. Göller waren so prima Leute. Fiedler hat Fl. in Regensburg getroffen. Er ist verwundet. Fl. ist am 28.9. verwundet worden. Von 280 Mann sind sie mit 8 Mann zurückgekommen. – Im Kino gewesen: „Die Julika“ ein guter Film mit etwas unwahrscheinlichem Schluß. – Ich werde bei der Rekrutenausbildung mit eingesetzt.

Oben: Durchschlag eines Dienstplans des Tagebuchverfassers für die am 27. November 1943 eingezogenen Rekruten. Er ist vorliegend am Freitag, 2. November (?)  43 von 8.15 bis 9.45 Uhr in der Wagenhalle für die Leitung des Unterrichts am Fahrlehrgerät, hier: „Die Kreuzleine im Wechsel“, eingeteilt. Oben rechts in der Ecke die handschriftliche Notiz „Lt. Isensee“. ((Lt ist die Abkürzung für den Dienstgrad Leutnant, der unterste Offiziersdienstgrad in der Wehrmacht, gw)). Von 13.00 bis 14.30 Uhr gehört er zu den Leitern der Formalausbildung: Grundstellung ohne und mit Gewehr, Wendungen auf der Stelle mit und ohne Gewehr, Zusammensetzen der Gewehre. Von 16.30 bis 17.00 Uhr leitet er den Unterricht „drillmäßiges Auf- und Absetzen der Gasmaske“.

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Redaktioneller Hinweis. Ergänzung unter einem älteren Eintrag.

Im Eintrag dieses Blogs unter dem 17. Februar 2017 ist heute ein Nachtrag vorgenommen worden. Vorgestellt wird ergänzend eine satirisch-launige Festschrift „Sammelmappe 13/5 – Allgemeiner Bothfelder Dienst“ (Verlag: „Deutliche Worte“, Block 7, Scharnhorstkaserne), die aus Anlaß des Lehrgangsendes am 22.07.1943 offenbar innerhalb der Inspektion zirkulierte, der der Tagebuchverfasser während seines Offizierslehrgangs in Hannover-Bothfeld angehörte. Die erste und letzte Umschlagseite dieser Festschrift ist vorstehend abgebildet.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Dienstpläne der Fahrersatz- und Ausbildungsabteilung 7, Landshut.

((In LANDSHUT, Bayern))

Ab November 1943 war der Tagebuchverfasser als Ausbilder im Dienstgrad eines Leutnants bei der Fahrersatz- und Ausbildungsabteilung 7 in Landshut, Bayern, eingesetzt. Im folgenden werden Dienstpläne dieser seiner Dienststelle aus dem Jahre 1941 veröffentlicht.

Dienstbericht ((gemeint war offenbar: Dienstplan, gw))  über M.G.-Ausbildung für die Zeit vom 1.11. – 9.11.41. M.G. steht für Maschinengewehr. Ausbildungsgegenstände: M.G.-Bedienung, Teile, Auseinandernehmen, Zusammensetzen, Tragarten, Anschlagsarten, Schiessen gegen Flugziele, Einzelfeuer, Schiesslehre.

Anschlag liegend, Laden zum Dauerfeuer, Lagern Schlosswechsel, Spannen und Entspannen, Stangenvisier, Kommandos, Richten.

 Dienstplan über M.G.-Ausbildung für die Zeit vom 10.11. – 18.11.41.

Anschlag liegend, Exerzieren mit M.G., Verhalten auf dem Schiessstande, Schulschiessen, M.G.-Reinigen, Laufwechsel, Einstellen der Seitenbegrenzer, Vorübungen für Dauerfeuer-Schulschiessen, Richtübungen für Dauerfeuer, Richten mit Zielfernrohr.

 Schulschiessen, Punktfeuerübung, Dauerfeuer, Geländedienst, M.G.-Reinigen.

Dienstplan über M.G.-Ausbildung für die Zeit vom 10.11. – 18.11.41.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 09. August bis 12. August 1943.

((In TORGAU, Sachsen))

Montag, 9. August 1943.

Bis 10.00 habe ich gestern geschlafen. Abends war ich im Kino: „Ceuci“. Torgau ist ein langweiliges, dreckiges Nest. Eine anständige Buchhandlung ist da. – Die Abt. wird verlegt u. wir mit. Das OKH ((Oberkommando des Heeres, gw)) will die Räume als Ausweichquartier haben. Wir sind nicht böse darum, schlechter kann es anderswo auch nicht sein als hier. Es soll nach Bautzen gehen.

Dienstag, 10. August 1943.

Gestern hatten wir keinen Dienst gemacht. Die Verlegung wird schon vorbereitet. Um 11.00 sind wir dem Kdr. ((Kommandeur, gw)) der Fahr-Ers.-Abt. 4, der wir unterstehen, Major Dörrig vorgestellt worden. Er ist keine sympathische Erscheinung. Er stammt aus Hannover ((?)) u. ist Besitzer oder Pächter des Konzerthauses. Um 12.00 haben wir Koffer ect. Verladen, um 18.00 soll es losgehen. Um 22.00 ging es ab. Wir sind im Güterwagen gefahren.

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((Es folgt nun eine Eintragungslücke im Tagebuch. Bis zum Datum des 27.11.1943 hat der Verfasser keine Einträge mehr in diesem Tagebuch vorgenommen. Als er unter dem 27.11.1943 seine Tagebucheinträge insoweit wieder aufnimmt,  war der Verfasser nach allem Anschein wieder bei der Fahrersatz- und Ausbildungsabteilung 7 in Landshut, Bayern, eingesetzt, gw)).

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 04. August (Fortsetzung) bis 08. August 1943.

((In LANDSHUT, Bayern,  LEIPZIG und TORGAU, Sachsen))

Mittwoch, 4. August 1943 ((Fortsetzung von der vorangehenden Seite))

Wie hatte ich mich auf diesen Tag gefreut! Es wäre so schön gewesen, wenn ich mit ihm hätte arbeiten können. Er ist bestimmt nicht dumm. Wann werde ich mit ihm die Freude haben?! – 13.21 sind wir gestern von L. abgefahren. 20.45 waren wir in Leipzig. Im Hotel „Kaiser“ haben wir übernachtet, es war ein sehr  bequemes Zimmer. Ich wohnte noch mit einem Lt. ((Leutnant, gw)) zusammen. Es war unverschämt heiß die Nacht! Wir waren noch im „Kreises“ ((?)) u. haben uns den Quatsch etwas angehört. –

Donnerstag, 5. August 1943

Um 8.00 ab Leipzig. Der Zug war so voll, daß kein Platz mehr war. Wir sind im P((…?))wagen gefahren. 9.30 kamen wir in Torgau an. – Unsere Koffer sind nicht da! Die Mehrzahl der Kameraden war schon da- Alle die wir in Hannover waren, kamen hier zusammen. Ich liege mit Axmann, Fröhlich, Leonhardt u. Vetter Heinrich auf einer Stube. Die Stuben sind nicht gerade wohnlich. Es sollen Wanzen dagewesen sein. – 6.00 – 7.00 Uhr war gestern schon Stalldienst! Verdammte Schweinerei, so früh schon im Stall stehen! – Kino: „Die Jungfrau von Bischofsberg“ ((siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=ri-1S48xkLs, gw))sehr lustig (gestern abend).

Sonntag, 8. August 1943

Zum Reiten haben wir Berberhengste. Es sind ruhige Tiere u. tun keinem Menschen etwas. Aber wehe, wenn sie sich gegenseitig zu nahe kommen, dann gibt es Kleinholz! Oder wenn eine Stute in ihre Nähe kommt, dann sind sie nicht zu halten. Sie haben einen wunderschönen, weichen Trab u. einen eleganten, sicheren Galopp. Gestern abend Kino. „Heimatland“.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 01. August bis 04. August 1943.

((In HANNOVER, Freistaat Preußen, und LANDSHUT, Freistaat Bayern))

Sonntag, 1. August 1943.

((Fortsetzung des Eintrags vom 31.07.1943))
Tür klingeln. Ja, was waren das für schöne Stunden! – Ich habe mir dann die Stadt angesehen, die Conti u. die Vahrenwalderstr. haben doch allerhand abgekriegt ((gemeint sind Schäden durch gegnerische Fliegerbomben, gw)). In der Philippsbornstr. ((richtig: Philipsbornstr., gw)) war ich zum Vertreter der D.B.-Versicherung. Er war aber nicht da. Ich muß unbedingt eine Versicherung abschließen. – Um 14.19 ab Han. über Celle, Weißenfels, Jena.

Montag, 2. August 1943.

6.30 an München. 10.30 ab München, 11.30 an Landshut. Es hat niemand etwas gesagt, daß wir später kommen. Ich bin immer noch zu gewissenhaft, wäre ich einen Tag später gekommen, hätte niemand etwas gesagt. – Abends war ich im Kino: „Der Senior Chef“, ganz lustig der Film. Am 3. sollen wir fahren, ob wir es tun, müssen wir mal sehen.

Dienstag, 3. August 1943.

Den ganzen Tag haben wir verbummelt. Wir haben überflüssige Klamotten abgegeben, damit wir nicht soviel zu schleppen haben. Unsere Koffer haben wir als Reisegepäck aufgegeben, so haben wir bequemes Reisen. Wir sind neugierig, wie die Sache in T. ((Torgau, gw)) läuft. Abends im Kino: „Der feine Klang“, ein sehr schöner Film. Wir fahren morgen erst! Immer dumm u. f((…?)).

Mittwoch, 4. August 1943.

Heute soll es los gehen. Der Chef der 2., Hptm. Merker, hat Spektakel gemacht, daß wir uns nicht abgemeldet haben, wir waren aber noch nicht soweit. Banschneider ((?)) war schon weg, dem will er noch einen Strich durch die Rechnung machen. Ich habe mir noch ein paar prima Riecker Uniform-Halbschuhe gekauft. Heute ist unserm Klausemann sein 1. Schultag!

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