Kategorie: Tagebuch; Kriegsgefangenschaft; Otto Isensee; Russland; UdSSR; Grjasowez; Ploskoje; Tscherepowez; 1944; 1945; 1946; 1947; 1948; Deutscher; Soldat; Gefangenschaft; Alltag; Kriegsgefangener

Tagebuch, zweiter Band, 27. Oktober 1945, 8. November 1945 und 20. November 1945. Ende der Eintragungen.

(Linke Seite)

((Stenozeichen))

Donnerstag, 8.11.45. ((Stenozeichen)). Gestern u. heute hatten wir ((Stenozeichen, wahrscheinlich: wegen der, gw)) Red((…?))ut.-Ferien((?)) frei, eigentlich 9((?)) Tage aber wir Mechaniker mußten arbeiten. ((Stenozeichen)) Arbeit ((Stenozeichen)). ((Stenozeichen)) Betriebsversammlung kam unser Verdienst heraus. Mit 392 Rubel war ich der Beste. Der Betrieb hat wegen Holzmangel einige Tage gestanden. Heute geht es mal ((Stenozeichen)). Es ((Stenozeichen)) Schnee u. Kälte. ((Stenozeichen)) gab es ((Stenozeichen)).

(Rechte Seite)

Iwan Iwanowitsch ist nicht mehr ((Stenozeichen)) neue Unterkunft kalt u. dunkel, ((…?)) ungemütlich. Ich habe viel, viel nach Hause gedacht. Unser Essen nach wie vor gut. ((Stenozeichen)) immer noch Kartoffeln. Jeden Tag werde ich mehr als satt.

Dienstag, 20.11.45. Alle Tage viel Arbeit. Es ist harter Winter. Die Fabrik läuft eben gut. Ich habe eine schwierige Arbeit eben. Eine Mutter Flachgewinde für einen Schraubstock mache ich. 100 m/m lang. Eine schwierige Angelegenheit.

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((Ende der Eintragungen des zweiten Tagebuchbandes aus russischer Kriegsgefangenschaft. gw))

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Tagebuch, zweiter Band, 16. Oktober 1945 bis 27. Oktober 1945.

(Linke Seite)

Dienstag, 16.10.45. Es ((Stenozeichen)) Winter geworden. Der Schnee bleibt liegen u. es friert. Tagsüber ist ((Stenozeichen)) Matsch. Gestern habe ich ((Stenozeichen)) 3.00 ((Stenozeichen, wahrscheinlich: gearbeitet, gw)). Habe aber nichts geschafft, denn alle Stähle waren stumpf u. zum Schleifen war kein Licht da. Heute bin ich dann gut mit der Arbeit, ein Sicherheitsventil f. den Dampfkessel gut ((Stenozeichen)). Für ((Stenozeichen)). Bei 2 Atm. ((Atmosphärenüberdruck, gw)) ((Stenozeichen)) normal kein ((…?)) Dampf durch ((Stenozeichen)) Deutschland-UdSSR soll lt. Radio-Meldungen aufgenommen. Heute abend fängt in ((Stenozeichen)) Produktion an.

Montag, 22.10.45. Seit Freitag, 19.10. läuft ((Stenozeichen)) Sprit((?)), die Fabrik arbeitet, wenn es auch noch an allen Ecken und Enden fehlt. Ich arbeite oft bis tief in die Nacht hinein. An einen S((…?))stutzen waren Gewinde einzuschneiden. Von 11 Gängen waren 8 Gänge zu machen.

(Rechte Seite)

Eine schwierige Angelegenheit bei den toten ((?)) Gängen der Spindeln. Es ist aber gut gelungen. Gestern habe ich nur bis Mittag gearbeitet. Einen freien Tag habe ich immer noch gut. – Der Tag der Gefangennahme hat sich am Freitag gejährt. Es geht mir heute doch gut. Unser Essen ist reichlich und gut. Ich bin immer richtig satt. Brot habe ich ((Stenozeichen)) 1000g im voraus((?)). Es ist richtiger Winter, kalt u. 110 cm Schnee. Bei dem Wetter ((Stenozeichen)) Kartoffeln gebuddelt und gemacht((?)). 10-12 ha ((Hektar = 10.000 Quadratmeter, gw)) sind noch zu roden. Die Arbeit macht mir Freude trotz aller Schwierigkeiten.

Sonnabend, 27.10.45. Vorgestern hatte unser Utalein, gestern hatte ich Geburtstag. Wie schön wäre es daheim gewesen. ((Stenozeichen)).

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Tagebuch, zweiter Band, 7. Oktober 1945 (Fortsetzung) bis 12. Oktober 1945.

(Linke Seite)

((Sonntag, 7.10.45, Fortsetzung)) gibt es Kartoffeln m. Fisch, gekocht oder gebraten dazu noch eine Kohlsuppe. Abends gibt es meistens Mehlsuppe. Gestern bekamen wir 450 Zigaretten vom Lager, da habe ich Tauschware. Ich habe keine Zeit, meine Strümpfe zu stopfen. Am Freitag bekamen wir für unsere Mehrarbeit für 10 Tage 95g Butter, 1 Morgensuppe m. Fleisch, doppelte Portion, außerdem für 5 Tage noch eine zusätzliche Mehlsuppe, die Mehrarbeit ist so fürstlich ((?)) bezahlt.

Dienstag, 9.10.45. Heute morgen rauchte ((Stenozeichen)). Um 1200 lief die ((Stenozeichen)) Dampfmaschine. Am Zylinderdeckel ((Stenozeichen)). Meinen Drehbock habe ich ((…?))geschafft. ((Stenozeichen)) Dampf. Ich muß einen Ausr((…?)) anfertigen. Heute hatten wir baden in ((Stenozeichen)) Sauna ((?)). 15 cm ((Stenozeichen)) taut es, Boden((…?)) ((Stenozeichen)).

(Rechte Seite)

Freitag, 12.10.45. ((Stenozeichen)) aber tagsüber ist ein furchtbarer Matsch. Heute habe ich von der Küche her einen Stiefel, dem ((Stenozeichen)) Sohle fehlt, verloren. Ich bin ((Stenozeichen)) barfuß ((Stenozeichen)) gewandelt.  Vorgestern nacht habe ich durchgearbeitet. Ich mußte eine Walze für die Haferquetsche abdrehen. Etwa 2 Ztr. ((Zentner, gw)) schwer. Gestern morgen um 10 Uhr war ich mit al((…?, vermutlich: allem)) fertig. ((Stenozeichen)) komplizierte Angelegenheit. Her((…?)) ((Stenozeichen)) auch angeheizt. Vorgestern Nacht habe ich tüchtig Kartoffeln gekocht. Heute abend bin ich rundherum satt. 100g Brot habe ich außer meiner Suppe noch gegessen. Für die Nachtarbeit habe ich 600g Brot extra bekommen. Es sollen noch 40 Mann hierherkommen.

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Tagebuch, zweiter Band, 1. Oktober 1945 (Fortsetzung) bis 7. Oktober 1945.

(Linke Seite)

((Montag, 1.10.45, Fortsetzung)) laufen. Ich soll als daher im Betrieb bleiben. Meinen Arbeitsplatz habe ich schon gut eingerichtet. Heute ist zwischen Oberst Sirma ((der Lagerkommandant, gw)) u. dem Direktor der Schnapsfabrik verhandelt ((Stenozeichen)) Winter ((Stenozeichen)). Wir hoffen es alle sehr. Das Wetter ((Stenozeichen)). – Am 28. vor einem Jahr habe ich unserer Mutti den letzten Brief geschrieben. Ich denke sehr viel nach Hause. Wie mag es dort gehen? Wir hören jetzt mehr Nachrichten aus der Heimat. Im Lager kann der Sender Berlin gehört werden.

Dienstag, 2.10.45. Heute ((Stenozeichen)) z.T. Sonnenschein. Wir haben von der Fabrik  6 Tabak bekommen, 60g Brot habe ich eben großen Vorrat. Ich kann es nicht schaffen, obwohl ich gut esse. Die Arbeit klappt. Eine Spindel für ein Ventil gedreht heute ((Stenozeichen)) H((…?))kessel ((Stenozeichen)) gefüllt.

(Rechte Seite)

Sonntag, 7.10.45. Ich finde keine Zeit mein Büchlein auszufüllen. Gestern hatten wir frei weil heute der 2. H((…?))-Kessel kommen sollte; er ist aber nicht gekommen. Ich habe viel Dreharbeit. Ventil-Teller, Ventil-Spindel ((…?))buchsen usw. waren zu drehen. Es klappt alles gut. Morgen schneide ich zum ersten Male ((…?))gewinde. – Das Wetter ist schlecht. Heute regnet tüchtig u. es ist kalt dabei. In der Fabrik ist auch sehr ungemütlich. Morgen soll ((Stenozeichen)) angeheizt werden. – Das Essen ist nach wie vor ausgezeichnet. Ich habe oft, fast täglich Kartoffeln neben der Mahlzeit, Brot habe ich genug, bin jeden Abend wirklich satt. Die Küche macht Braten u. Fischgulasch beides ist ausgezeichnet. Jeden Mittag

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Tagebuch, zweiter Band, 23. September 1945 (Fortsetzung) bis 1. Oktober 1945.

(Linke Seite)

((Sonntag, 23.9.45, Fortsetzung)) morgen geopfert. Zu Hause wartete unser Essen. Heute bin ich sehr satt. Nachmittag habe ich meinen Sonntagsstaat angezogen u. habe sehr intensiv die Bilder meiner Lieben betrachtet.

Montag, 1.10.45. Ich finde keine ((Stenozeichen)) Büchlein einzutragen. Nun ((Stenozeichen)). Gestern haben ((Stenozeichen)) gearbeitet. Ursprünglich sollte nur bis 12.00 gearbeitet werden, kurz ((Stenozeichen)) nachmittag auch nacharbeiten sollten. Wir bekamen dafür 400g Brot. Für unsere Mehrarbeit – 12 Std. haben wir jetzt noch 2000g Brot bekommen. Fleisch, Fett oder Milch soll es geben. Ich habe jetzt einen ((Stenozeichen)) Brotvorrat. ((Stenozeichen)) besessen u. abends bin ich rundherum richtig satt. Unser Essen ist ausgezeichnet. Ich habe gegen Zigaretten Rote Rüben,

(Rechte Seite)

weiße Rüben u. Kohl getauscht. Wir haben fast jeden Abend einen Kohlkopf zu verzehren. Die Mehlsuppe, die wir abends oft bekommen, ist sehr bekömmlich. – Die Arbeit macht mir wirklich Spaß, sie geht ((Stenozeichen)) der Hand. Ich habe diese Woche viel geschafft. Zum ersten Mal Gewinde auf der Bank geschnitten 2 1/2 Zoll, durch Überlegung die Wechsel-Räder herausgefunden. Iwanowitsch war sehr zufrieden. Meine Arbeit ((Stenozeichen)). Eine Buchse von 150m/m Länge u. einem Innendurchmesser von 59 m/m habe ich angefertigt. Heute habe ich 1 Zoll Gewinde mit Gewindeschneider u. Schneideisen geschnitten. Es ((Stenozeichen)). – Am 5. d.M. soll der Betrieb

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