Kategorie: Verkehr

Flensburg: Ein Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz.

Ein denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude, wie das in der schleswig-holsteinischen Grenzstadt Flensburg zum Beispiel, ist selbstverständlich kein Gebäude, das vor dem Zahn der Zeit geschützt ist. Errichtet in den 1920er Jahren, hat der Flensburger Bahnhof bereits um die 90 Jahre Alter auf dem Dachstuhl, und Teile seiner künstlerisch wertvollen Fassade fangen an zu bröckeln. Jahrzehnte schon sind ins Land gegangen, in denen die Stadt Flensburg, namentlich die Untere Denkmalschutzbehörde vor Ort, sich mit dem Eigner des Gebäudes, der Deutschen Bahn AG, darum zankt, wer für Sanierung und Erhalt aufzukommen hat. Bezahlen soll natürlich jeweils der andere. Und der eine wie der andere hat kein Geld dafür.

So kam es, daß Reisende, die erstmals in Flensburg per Bahn eintrafen, ihre ersten Schritte auf dem Boden der Stadt durch einen tropfsteinhöhlen-ähnlichen Gleistunnel lenkten, in der sie sich erschaudernd mit der Frage konfrontiert sahen: „War die Reise hierher wirklich eine gute Idee?“

Es gibt nur eine Gelegenheit, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, und bahnseitig hat die 90.000-Einwohner-Stadt Flensburg leider ganz schlechte Karten.

Nach jahrelangem Gezerre ist der Gleistunnel inzwischen saniert. Eine vergleichbar unendliche Geschichte war die Sanierung der Freitreppe vor dem Bahnhofsgebäude, an die viele Flensburger schon nicht mehr geglaubt hatten.

Als im Sommer 2016 die bauzeitlichen Schöpfungen aus der Hand eines Künstlers namens Kuöhl, vorkragende Kopfplastiken an der Fassade, zu bröseln anfingen, hat der Transportkonzern kurzerhand Planen über die betreffenden Stellen spannen lassen, damit den Reisenden keine Bruchstücke auf den Kopf plumpsen. Optisch und denkmalschützerisch zweifellos keine Verbesserung.

Der Karikaturist hat die Szene dahingehend ausgesponnen, daß auch die städtischen Denkmalschützer ein Lösungspaket von der Deutschen Bahn AG ins Haus bekommen. Ihr Appell: „Wie lange noch wollt ihr unsere finanzielle Geduld mit euren kindischen Denkmal-Sentimentalitäten mißbrauchen? Reißt den morbiden Kasten endlich ab — dann ist Ruhe. Fahrkartenautomaten, Fahrpläne und Wartehäuschen kann man schließlich auch unter freiem Himmel aufstellen.“

Karikatur aus dem Jahre 2016.

Bürgerzufriedenheit mit bestehenden Gesetzen.

Die kommunale Erprobung einer Kfz-Zulassungsstelle in den Rathäusern und Amtsverwaltungen geht dem geplanten Ende zu. Der Monitor der Bürgerzufriedenheit zeigt darob allenthalben eine positive Stimmung. Zwei Dunkelmänner in der Staatsverwaltung unterhalten sich: „SEHR positiv geladen. Wir müssen etwas tun!!“ „Also verlängern?“ „Quatsch! Abschaffen natürlich. Wo kämen wir hin, wenn der Eindruck entstünde, die Staatsmacht wolle sich bei ihren Untertanen beliebt machen?“

Karikatur aus dem Jahre 2016.

Die Bahn. Ein kompetentes Gütertransport-Unternehmen.

Beim Zugausrüster. Der Bahn-Einkäufer sieht sich nach einer Klimaanlage für die ICE-Züge um. Da er auf seiner Einkaufsliste auch „Börsengang“ stehen hat, kommt nur die abschaltempfindliche, aber billige Klimaanlage für die Beschaffung in Frage.

Die Bahn ist nur noch als Gütertransportunternehmen ernst zu nehmen. Der Personenverkehr ist ein Desaster: Verspätungen, Zugausfälle, Heizungs- oder Klimaanlagendefekte im Zug (Heizung funktioniert nur im Sommer, Klimaanlage nur im Winter, ohne daß der Fahrgast sie jeweils abstellen könnte), fehlende Fahrgastbetreuung im Zug und am Bahnhof, kein wärmendes Obdach am Bahnhof für wartende Fahrgäste besonders bei Niederschlag und im Winter, Streckenausfall infolge allfälligen Diebstahls schon eines kleinen Kupferkabels an entscheidender Stelle usw. usw..

Bahnreisende werden am Ende nicht besser behandelt als Transportgüter, die man eben mal irgendwo hinstellt, wenn es nicht weitergeht und bis es weitergeht (bis also nach ein, zwei Stunden eventuell ein „Schienenersatzverkehr“ anrückt. Wenn sie denn mal ersetzt werden, die altersschwachen Schienen!)

Menschen oder Stückgüter: sollen sie halt warten in Frost oder Hitze, an irgendwelchen winzigen Unterwegsbahnhöfen in der Pampa, weil ein IC-Irgendwas-Superzug wegen eines technischen Schadens mitten auf der Strecke total ausfällt. Wozu enge Wartungsintervalle? Kosten doch nur und gefährden die Aussicht auf den Börsengang.

Was soll’s.

Im Grunde würde es vollkommen ausreichen, wenn die Bahn nur noch derbe Viehwaggons als rollendes Material unterhielte. Wer als Mensch Bahn fahren will, würde dann schon beim Einsteigen sofort merken, auf welches Hitze-Kälte-Dreck-Standzeiten-Abenteuer er sich als Bahnreisender einläßt und welchen Rang er in den Augen der Bahngesellschaft einnimmt.

Viel gepflegter als schlecht gefegte Viehwaggons sehen manche Personenzüge im Alltagsbetrieb ohnedies schon heute nicht aus. Wer als Fahrgast besonders schonend transportiert werden will, kann sich selbst ja als Wertpaket erster Klasse im Güterwaggon verschicken. Und dafür natürlich einen Aufschlag auf den ohnehin schon frech hohen Bahn-Fahrpreis bezahlen.

Karikatur aus dem Jahre 2010.

Railway. A competent freight transport company.

At the railway outfitter’s. The railway buyer is looking for an air conditioning system needed for the ICE train sets. Since he has also „going public“ on his shopping list, only the disturbance-sensitive, but cheap air conditioning is in question for procurement. 

In the end, train passengers are treated no better than transport goods. 

People or piece goods: shall they wait in frost or heat, at some tiny transit stations out in the sticks, because an IC-Something-Super-train fails suffering a technical damage in the middle of the route. Why close maintenance intervals? They only cause costs and endanger the prospect of an IPO.

The railway is only to be taken seriously as a freight transport company anymore. Passenger traffic is a disaster.

Basically, it would be quite sufficient if the railway only kept the rough cattle cars as rolling stock. If you wanted to go by train as a human being then, you would immediately notice when you board, which adventure you are willing to accept as a railway traveler – concerning temperature, punctuality or cleanliness.

Caricature as of 2010.

Vorher. Nachher.

 Flensburg, Schleswig-Holstein. August 2016.

Ebenda. Oktober 2016.

Before. After. Flensburg, Schleswig-Holstein, northern Germany. Photos as of august and october 2016. Sign below reads: road marking works.

Bad Oldesloe: Streit ums Radhaus.

Radhaus: Gemeint ist hier nicht das blecherne Gewölbe für Reifen und Fahrwerk des PKW, sondern ein hochmodernes Gebäude mit Möglichkeit zum elektronisch gesteuerten, diebstahlsicheren Wegparken von Fahrrädern. Eine nicht billige Anschaffung für den kommunalen Haushalt, deshalb wird vor Ort leidenschaftlich gestritten.

Karikatur aus dem Jahre 2016.

Poké-Stop.

Fußwege der zwei Geschwindigkeiten in der Stadt. Die Schnellspur für ältere Herrschaften mit Einkaufsroller („Hackenporsche“) im Schlepp, die Langsamspur für junge Pokémon-Go-Spieler, deren Blick auf dem Smartphone-Display klebt. Der Verwechselungsgefahr wird mit energischer Zurechtweisung begegnet: „Ob ich ein materialisiertes Gift-Pokémon bin? Frechheit! Bleiben Sie gefälligst auf Ihrer Spur!“

Karikatur aus dem Jahre 2016.

Footpaths of two speeds in the city. The fast track for older people with shopping scooter in tow, the slow lane for young Pokémon Go players who stick their attention to smartphone display. The risk of confusion is met by energetic rebuke: „Whether I am a materialized Poison Pokémon? Impudence! Stay kindly on your lane!“ On sign: WLAN for free.

Caricature as of 2016.