Kategorie: Wehrmacht

Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 29. Juli bis 31. Juli 1943.

((In SCHÖNEWÖRDE, Landkreis Gifhorn, Provinz Hannover, Freistaat Preußen und HANNOVER-KLEEFELD))

Donnerstag, 29. Juli 1943.

Die Kleefelder sind um 20.00 Uhr gefahren u. Um 22.00 wiedergekommen. In Isenbüttel war der Zug weg. Ich müßte morgen nach Hannover, überlege es mir aber noch. Hamburg wird dauernd schwer angegriffen!

Freitag, 30. Juli 1943.

Um 14.00 sind die Kleefelder gefahren. Ich fahre nicht nach Hannover, da ich morgen abend schon fahre, um nach Hannover zu kommen, habe ich am Sonnabendmorgen in H. Zeit, alles zu erledigen.

Samstag, 31. Juli 1943.

Um 20.00 bin ich in Sch. ((Schönewörde, gw)) abgefahren, hatte in Isenbüttel guten Anschluß u. War um 23.00 in Kleefeld. In Heinrichs Wohnung wollte ich übernachten. Das Haus war zu! Bei Fuchs‘ habe ich mir den Schlüssel geholt, deren Haus war zufällig noch offen u. Erika Fuchs habe ich herausgeläutet. Auf der Couch habe ich die Nacht gut geschlafen. Ja, das war die letzte Nacht in der Wohnung, in der ich, wir, in den Wochen u. Monaten vorher so schöne Stunden verbracht haben! Wann werde ich dort mal wieder übernachten? Sicher nicht früher, als bis der Krieg vorbei ist. Mir war ordentlich ein bißchen  ((…?)), als ich so allein in der Wohnung war. Ich glaubte immer, jeden Augenblick muß unsere Mutti doch ((…?)) hereinkommen. Oder die Kinder müßten an der

((Fortsetzung unter dem 01. August 1943))

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 25. Juli bis 28. Juli 1943.

((In SCHÖNEWÖRDE, Landkreis Gifhorn, Provinz Hannover, Freistaat Preußen))

Sonntag, 25. Juli 1943

Sonntags fährt der Zug 5.39 ab Uelzen nur bis Wittingen! Von dort bin ich bis Knesebeck mit meinem schw. Koffer an der Bahn runtergepilgert. Hinter Knesebeck traf ich dann den Milchwagen, der hat meinen Koffer mitgenommen. – Es sind sehr heiße Tage augenblicklich, richtiges Wetter für die Ernte!

Montag, 26. Juli 1943

Die Kinder laufen herum wie die Zigeuner! Klausemann nur mit der Badehose, Utalein im Trägerröckchen. Beide sind braun wie die Neger. Klaus hat einen Sonnenbrand. Die Rieth ((kleiner Bach, der durch Schönewörde, den Heimatort des Tagebuchverfassers, fließt, gw)) ist ihr Paradies. „Plasten“ u. Baden ihre tägliche Beschäftigung.

Dienstag, 27. Juli 1943

Grete, Heinrich u. Liselotte ((die Familie des Bruders des Tagebuchverfassers, gw)) kommen um 16.00. Wir haben schöne Stunden verlebt! – Unsere Wohnung ist wirklich ein Gedicht. Ich kann mich immer wieder darüber freuen. ((Es handelte sich um die Lehrerswohnung in der ersten Etage des damals neuerrichteten Schulhauses in Schönewörde, Landkreis Gifhorn, gw)). Wenn man nun kaufen könnte was man möchte u. wenn Frieden wäre!!! Ich hätte so gern einen Plattenspieler, um meine schönen Platten einmal zu genießen. ((Der Tagebuchverfasser besaß Schellack-Schallplatten, die er während des Krieges von seinem militärischen Aufenthalt aus Frankreich mitgebracht und diesem Tagebucheintrag zufolge anscheinend noch nicht angehört hatte, gw))

Mittwoch, 28. Juli 1943

Heinrich u. Grete bleiben bis Morgen. Es sind doch schöne Stunden, die wir hier gemeinsam verleben! Wann werden wir mal so zusammenkommen. Wer weiß, was uns noch alles bevorsteht. ((Im Oktober 1944 gerät der Tagebuchverfasser in vierjährige russische Kriegsgefangenschaft, gw)) – Unsere Mutti kocht immer ein prima Essen, wie in Friedenszeiten!

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 21. Juli bis 24. Juli 1943.

 ((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne, Dienstreise nach MÜNCHEN, LANDSHUT und zurück nach SCHÖNEWÖRDE, Provinz Hannover.))

Mittwoch, 21. Juli 1943

Heute war kein Dienst. Wir haben nur Uniformteile beschafft. Ich habe noch eine tadellose Schirmmütze bekommen. Nachmittags war ich bei Margar. ((Margarete, die Schwägerin des Tagebuchverfassers, gw))., ich habe die Mütze dort gelassen. – Auf der Schlageter Kampfbahn in Linden das Silberne Sportabzeichen gemacht. Alles bestanden. Die 10 000 m sind mir sauer geworden! Mit Margar. noch bei Knickmeyer ((?)) gegessen. Seit 12.00 Uhr hatte ich nichts gegessen.

Donnerstag, 22. Juli 1943

Um 16.00 begann in den Maschseegaststätten der Abschiedsabend der Inspektion. Es war sehr nett. Ein hervorragendes Essen gab es. Gebratene Scholle, deutsches Beefsteak mit Erbsen((…?)), Eis. Prima zubereitet war alles. Kräfte von ((…?))haus u. K.d.F. ((Kraft-durch-Freude-Organisation, gw)) verschönten den Abend. Um 24.00 etwa sind wir abgezogen, um 1.38 früh fuhr unser Zug nach München, er war so voll, daß wir den nächsten D-Zug nahmen.

Freitag, 23. Juli 1943

Um 14.00 etwa in München, 16.59 weiter nach Landshut. In München habe ich mir noch einen Degen ((?)) gekauft. Der Zug nach Landshut war gestopft voll! Es war nicht reinzukommen. In L. regnete es stark. Wir sind abends nicht mehr ausgegangen, haben unseren Urlaub angemeldet u. haben uns in die Falle gelegt. Der neue Lehrgang findet nicht in München, sondern in Torgau statt.

Sonnabend, 24. Juli 1943

Um 9.00 dem stellvertr. Kdr. ((stellvertretenden Kommandeur, gw)) vorgestellt. Um 13.09 ab nach Hause. Ab München 16.00. Ich bekam einen schönen 2. Kl. Platz, das ist für solch eine Strecke sehr von Vorteil. Die Fahrerei hängt mir zum Halse raus. Bis Uelzen konnte ich durchfahren, das war günstig.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 17. Juli bis 20. Juli 1943.

((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne))

Sonnabend, 17. Juli 1943.

Dienst ist nur wenig. Es ist kein Schwung mehr drin. Jetzt könnte der Lehrgang noch 4 Wochen dauern. Um 12.30 gleich nach Kleefeld rausgefahren. Mit den Kindern in der Stadt gewesen. Bei Flakmann versucht, Stiefel zu bekommen. Alle waren mir zu klein. Bei Dier((…?)) gewesen wegen Uniform. Ernst Kuppenbergs Eltern besucht. Er ist im Osten.

Sonntag, 18. Juli 1943.

Mit den Kindern am Klavier gesungen. Die Kinder haben schon ihre kleinen Freunde u. spielen unten mit auf dem Hofe. Nachmittags waren wir in der Eilenriede u. haben an der Rollschuhbahn den Rollschuhläufern zugesehen. Klaus konnte nicht genug kriegen. Abends kommt dann aber immer wieder das Abschiednehmen.

Montag, 19. Juli 1943.

Wir haben am Nahkampfplatz Sand geschaufelt. Man hat fast keine Arbeit mehr für uns. Nachmittags haben wir unsere Waffen abgegeben. Gott sei Dank! Die sind wir los. Als MG-Bereitschaft habe ich mich vertreten lassen u. bin nach Kleefeld rausgefahren. Wir essen dort immer ganz feudal. Wir haben mit Wehmut daran gedacht: Es war das letzte Mal!

Dienstag, 20. Juli 1943.

Um 5.00 Uhr war schon Wecken. Es ging zur Hindenburg Kampfbahn. Der 13. Fahnenjunkerlehrgang hatte sein Sportfest. Die 100 m bin ich in 13,5 Sek. gelaufen, Weitsprung 4,65 m, Handgranatenweitwurf 37 m, 2000 m 7 min, 34 Sekd. – Nur beim 100 m Lauf habe ich mich angestrengt. Bei den anderen Übungen nicht. Nachmittags waren Fußball= u. Handballspiel. Das Handballspiel hat unsere 5. Insp. ((Inspektion, gw)) gewonnen.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 13. Juli bis 16. Juli 1943.

((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne, und MINDEN.))
Dienstag, 13. Juli 1943.

Ruhige Tage verleben wir jetzt. Der Taktiker hat die Arbeiten zurückgegeben! Eine 6 habe ich bekommen!!! Tadellos! ((9 ist die beste Zensur, vgl. den Eintrag vom 18.05.43, gw)) Es ist eine von den besten Arbeiten, die beste, es ((ist)) nur eine, ist mit 7 zensiert worden. Also habe ich es doch recht gemacht. Man darf sich nicht auf andere verlassen, selbst ist der Mann! Selbstvertrauen muß man haben. Ich habe so geschrieben, wie es bei vernünftiger Überlegung geschrieben werden mußte.

Mittwoch, 14. Juli 1943

„Klare, gut gegliederte Arbeit!“ lautet das Urteil. Ich freue mich über den Erfolg. Von den anderen Arbeiten werden wir wohl nichts erfahren. Normalerweise müßte ich ja mit dem Oberfähnrich ((gemeint ist die Beförderung zu diesem Dienstgrad, gw)) rechnen können. – Ich bin heute abend in der Stadt gewesen. In St. Hubertus habe ich gut gegessen u. dann mal nach Uniform-Stücken Ausschau gehalten. 1 Koppel m. Patronentaschen habe ich bekommen, noch prima Leder! Es gibt sonst nur Kunststoff.

Donnerstag, 15. Juli 1943

Eine kleine gemütliche HVK-Übung fand statt. Heute sind Bezugsscheine ausgegeben! Also ich habe es zum Oberfähnrich geschafft! Eine Feldmütze habe ich mir gekauft. Reitstiefel habe ich noch keine passenden gefunden. – In der HVK-Arbeit habe ich eine „5“ bekommen, also guter Durchschnitt. – Morgen geht es nach Minden, um 3.45 ist Wecken! Morgen abend ist unsere Mutti schon hier.

Freitag, 16. Juli 1943

Um 4.50 Abfahrt nach Minden. Es wurden interessante Übungen gezeigt. Pioniere schlugen eine Brücke über die Weser. Stoßtruppunternehmen wurden gezeigt, in einem Minengarten die verschiedenen Arten von Minen usw. Um 7.00 abends waren wir wieder zurück; Mutti mit den Kindern war schon in Kleefeld. Ich bin gleich hinausgesaust. In Kleefeld ist es immer wunderschön!

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 09. Juli bis 12. Juli 1943.

((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne.))

Freitag, 9. Juli 1943

Heute morgen waren wir zum Listerbad. Es wurden die 300m geschwommen. Ich habe sie in 7,14 Minuten geschafft! Genau dieselbe Zeit habe ich vor 13 Jahren beim Reichssportabzeichen geschwommen! Ich bin erstaunt über die gute Zeit. Dabei habe ich mich wirklich in der Mitte geschont. Hätte ich mich sehr angestrengt, ich wäre unter 7 Minuten gekommen.

Sonnabend, 10. Juli 1943

Der Dienst war sehr gemütlich. Keiner hat noch Lust zum Arbeiten. Mutti u. die Kinder kamen um 12.30. Ich hatte zwar Dienst bis morgen Mittag, aber mit meiner Raucherkarte kaufe ich mich immer los. So auch heute. Um 14.00 war ich schon in Kleefeld. Prima gegessen haben wir dann in der Stadt u. Kleinigkeiten eingekauft. So 4 Karten der Topographischen Landesaufnahme.

Sonntag, 11. Juli 1943

Heute morgen sind wir erst um 8.00 aufgestanden! Ist das immer gemütlich Sonntag morgens! Wir sind wirklich sehr dankbar, daß wir immer in Kleefeld wohnen können. ((Die Wohnung seines Bruders Heinrich und dessen Frau Grete in der Berckhusenstraße, gw.)) Um 12.00 kamen Vater u. Mutter. Wir haben uns tüchtig gefreut! Sie sind aber schon um 16.36 gefahren. Das Vieh mußte ja versorgt werden.

Montag, 12. Juli 1943

Mutti ist mit den Kinderlein noch da. Wir wollen diese Zeit ausnutzen. Ich konnte kurz nach 6.00 schon in Kleefeld sein. Wir haben Nachmittag nur einen kurzen Gebäudedienst gemacht u. dann kam ein Handballspiel, bei dem wir Zuschauer waren. 10:0 hat unsere Inspektion gegen die 2. gewonnen. – In Kleefeld habe ich gut zu Abend gegessen. Wir leben dort tatsächlich wie im Frieden.

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Der Weg in die Gefangenschaft: Kriegstagebuch. 05. Juli bis 08. Juli 1943.

((In HANNOVER-BOTHFELD, Provinz Hannover, Preußen, Scharnhorst-Kaserne.))

Montag, 5. Juli 1943

Es soll am Ende des Lehrgangs ein Sportfest steigen. Es werden schon allerlei Vorbereitungen getroffen. Schwimmen, 2000m, Klimmzüge, Fußball, Handball steht auf dem Programm. Ich möchte das silberne Sportabzeichen machen. Die Gelegenheit ist jetzt günstig. –

Dienstag, 6. Juli 1943

Der Dienst ist jetzt nach der Zwischenprüfungs-Arbeit sehr gemütlich. Es kommen viele Arbeitsstunden, die wir jetzt nicht mehr nötig haben. Jetzt könnte der Lehrgang noch 8 Wochen dauern, so halten wir es aus. Getan wird grundsätzlich nichts mehr! – Die Beurteilungen sind vom Stab alle nochmal zurückgekommen. Nach der Zwischenprüfungs-

Mittwoch, 7. Juli 1943

arbeit werden sie nun endgültig abgeschlossen. – Nach diesem Lehrgang, das steht wohl fest, soll noch ein weiterer Lehrgang für Oberfähnriche stattfinden. Wir vom Wehrkreis VII kommen wohl nach München. Er soll vom 6. August bis 26. Oktober dauern. Wenn man das schon so genau weiß, wird es sicher anders kommen. Ich wäre ja viel lieber in Hannover.

Donnerstag, 8. Juli 1943

Wir sind alle sehr überrascht, daß der Lehrgang nun doch so lange dauert. Keiner hat geglaubt, daß er bis zum Juli durchgeführt würde. Wenn auch sehr viel Aufregung u. Ärger damit verbunden ist, so verkennen wir doch nicht die vielen Annehmlichkeiten, die damit verbunden sind. Für mich ganz besonders. ((gemeint sind die wiederkehrenden Gelegenheiten zu Familienbesuchen in Hannover-Kleefeld während des Lehrgangs, gw)).

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