Kategorie: wehrverwaltung

Exkurs: Wehrmachtfahrscheine des Tagebuchverfassers von 1943 und 1944. Eisenbahngeschichte.

Der Verfasser der auf diesem Blog veröffentlichten Tagebücher und Kriegsgefangenen-Postkarten wurde am 19.10.1944 in Smederevo / Serbien von russischen Truppen gefangengenommen. Wie bei allen auf diesem Blog gezeigten Dokumenten gesetzt dient auch die Veröffentlichung dieser hier gezeigten zwei „Kleinen Wehrmachtfahrscheine“ ausschließlich der Dokumentation für geschichtswissenschaftliche Forschungszwecke. Die schwarzen Quadrate auf den hier gezeigten beiden Fahrscheinen wurden vom Betreiber dieses Blogs nachträglich hinzugefügt.

Der „Kleine Wehrmachtfahrschein“ von 1943 zeigt auf seiner Vorderseite folgenden Text (in Winkelklammern die Formulareinträge):

„Gültig für „zuschlagfreie Schnellzüge im Urlauberverkehr“ bei Zu- und Anschlußreisen auch für Personenzüge

Kleiner Wehrmachtfahrschein, Teil 1 (Wird bei Anritt der Reise von der Eisenbahn abgenommen)

für in Buchstaben Personen in der 2. Klasse – 
für in Buchstaben Personen in der 3. Klasse
für in Buchstaben Diensthunde.
für Reisegepäck von in Buchstaben Personen zur einmaligen Fahrt auf der Eisenbahn
von Bahnhof
nach Bahnhof
über ……
Das Fahrgeld ist zu stunden.
Ausgefertigt am 194
((Stempelabdruck
((Unterschrift oder ähnlich, Stempelabdruck ))

(Dienststempel)

K 518a W.Druckerei VII, München 9.41″

Die Rückseitenbeschriftung lautet:

„Dieser Fahrschein gilt nicht für Straßenbahnen, Seilbahnen und private Kraftverkehrslinien, sondern nur für Strecken der Eisenbahn

Es ist der am …. von Bhf. ….. um …. Uhr abgehende „zuschlagfreie Schnellzug im Urlauberverkehr“ („Festtagsschnellzug“) Nr. …. bis Bhf. …. zu benutzen.

Dienstgrad und Name des Reisenden:
(bei mehreren des Transportführers)
Zweck und Veranlassung der Reise:

Eigenmächtiges Benutzen einer höheren Wagenklasse ist verboten.
Mit diesen ((sic, gw)) Fahrschein ist das Benutzen von zuschlagspflichtigen Eil- und D-Zügen verboten.
Zu- und Anschlußreisen in Personenzügen sind mit diesem Fahrschein auszuführen.
Zu- und Anschlußreisen in zuschlagpflichtigen Eil- und D-Zügen nur mit zusätzlichem weißem Fahrschein (ohne Farbstrich) gestattet.
Die Inanspruchnahme von Wehrmachtfahrkarten oder Fahrkarten des öffentlichen Verkehrs für die im Wehrmachtfahrschein bezeichnete Strecke ist verboten.“

Hier ein weiterer Wehrmachtfahrschein, von 1944:

Der vorstehend gezeigte weitere, ebenfalls auf den Namen des Tagebuchverfassers ausgestellte „Kleine Wehrmachtfahrschein“ stammt vom 3. Februar 1944 und steht im Zusammenhang mit dem hier veröffentlichten Kriegsurlaubsschein. Auffällig ist, daß der weiter oben gezeigte Fahrschein von 1943 in Frakturschrift gesetzt ist, der vorstehend gezeigte Fahrschein von 1944 hingegen in Antiqua-Schrift. Wahrscheinlich besteht ein Zusammenhang mit der erklärten Absicht des NS-Regimes, die Frakturschrift aus sämtlichen Druckerzeugnissen in Deutschland zu entfernen und stattdessen die Antiqua-Schrift als „Normalschrift“ einzuführen, wie man etwa hier nachlesen kann.

 Der vorstehend gezeigte „Kleine Wehrmachtfahrschein“ von 1944 zeigt auf seiner Vorderseite folgenden Text (in Winkelklammern die Formulareinträge):

„Gültig nur für die auf der Rückseite Ziff. 1 angegebenen Züge

Kleiner Wehrmachtfahrschein, Teil 2 (Gilt als Fahrausweis und ist bei Beendigung der Reise auf dem Zielbahnhof abzugeben)

für in Buchstaben Personen in der 2. Klasse – 
für …. in Buchstaben … Personen in der 3. Klasse
für …. in Buchstaben …. Diensthunde.
für am Gepäckschalter aufzugebendes Reisegepäck (nicht Handgepäck) von …. in Buchstaben …. Personen zur einmaligen Fahrt auf der Eisenbahn
von Bahnhof
nach Bahnhof ((Stempelabdruck ))
über ……
Das Fahrgeld ist zu stunden.
Ausgefertigt am 194

((Unterschrift unleserlich, Stempelabdruck , teilweise überdeckend den maschinenschriftlichen Eintrag ))

(Dienststempel)

((Anders als beim Exemplar von 1943 hier keine Formular- und Druckereilosbezeichnung. Bemerkenswert: Der Tagebuchverfasser reist 1944 als Leutnant in der zweiten Wagenklasse, als Oberfähnrich reist er 1943 in der dritten Wagenklasse.))

Die Rückseitenbeschriftung lautet:

„Dieser Fahrschein gilt nicht für Straßenbahnen, Seilbahnen und Kraftomnibusse, auch nicht für den Seedienst Ostpreußen, sondern nur für Strecken der Eisenbahn

1. Mit diesem Fahrschein dürfen benutzt werden: Schnellzüge für Fronturlauber (SF), auch mit Reisezugteil (SFR), öffentliche Züge mit Wehrmachtteil (DmW, EmW, PmW); bei Zugreisen und Anschlußreisen auch Personenzüge des öffentlichen Verkehrs (P).
2. Mit diesem Fahrschein ist es verboten, Schnell- und Eilzüge des öffentlichen Verkehrs ohne Wehrmachtteil (D, E) benutzen. Zureisen und Anschlußreisen in derartigen Zügen dürfen nur mit zusätzlichem weißem Fahrschein (ohne Farbstrich) ausgeführt werden.
3. Eigenmächtiges Benutzen einer höheren Wagenklasse ist verboten.
4. Die Inanspruchnahme von Wehrmachtfahrkarten oder Fahrkarten des öffentlichen Verkehrs für die im Wehrmachtfahrschein bezeichente Strecke ist verboten.
5. Es ist der am ….. von Bhf. ….. um …. Uhr abgehende …..-Zug Nr. ……. bis Bhf. …… zu benutzen.
6. Dienstgrad, Vor- und Zuname des Reisenden: (bei mehreren des Transportführers)
7. Zweck und Veranlassung der Reise:
8. Dieser Fahrausweis ist bei der Fahrkartenprüfung durch die Eisenbahn und bei der Zugkontrolle durch die Organe der Wehrmacht vorzuzeigen.“

((Anders als 1943 ist es anscheinend dem Inhaber eines „Kleinen Wehrmachtfahrscheins“ im Jahre 1944 gestattet, öffentliche Eil- und Schnellzüge zu benutzen, sofern sie einen Wehrmachtteil haben. Davon ist in den Bestimmungen von 1943 nicht die Rede.))

+++

Advertisements

Exkurs: Kriegsurlaubsschein des Tagebuchverfassers von 1944.

Der Verfasser der auf diesem Blog veröffentlichten Tagebücher und Kriegsgefangenen-Postkarten wurde am 19.10.1944 in Smederevo / Serbien von russischen Truppen gefangengenommen. Der hier gezeigte, auf den Namen des Tagebuchverfassers ausgestellte Kriegsurlaubsschein stammt vom 3. Februar 1944.  Wie bei allen auf diesem Blog gezeigten Dokumenten gesetzt dient auch die Veröffentlichung dieses Kriegsurlaubsscheins ausschließlich der Dokumentation für geschichtswissenschaftliche Forschungszwecke. Die schwarzen Quadrate auf dem Dokument wurden vom Betreiber dieses Blogs nachträglich hinzugefügt.

Es zeigt folgenden Text (in Winkelklammern die Eintragungen mit Schreibmaschine oder Stempel):

„((Stempelabdruck oben rechts: )) ((Unterschrift unleserlich)) ((Ergänzender, die Wörter „Rittmeister u.“ überdeckender Stempelabdruck: )) Gültig für freie Urlaubsreisen auf kleinen Wehrmachtfahrschein. Kriegsurlaubsschein. Der von ist vom 194 bis einschl. 194 Uhr beurlaubt nach nächster Bahnhof (…)
Er reist auf kleinen Wehrmachtfahrschein. Es darf nur der verkehrsübliche Reiseweg benutzt werden. Fahrten über größere Umwege sowie Zickzack- und Rundreisen sind verboten. Die Inanspruchnahme von Wehrmachtfahrkarten oder Fahrkarten des öffentlichen Verkehrs für die im Wehrmachtfahrschein bezeichnete Strecke ist verboten. Über die umstehenden Befehle ist er belehrt worden. (Dienststempel) Ausgefertigt am 194 (Truppenteil bzw. Feldpostnummer) ((Unterschrift unleserlich)) ((Ergänzender, die Wörter „Rittmeister u.“ überdeckender Stempelabdruck: )) (Unterschrift, Dienstgrad, Dienststellung)

10a W.Druckerei VII., München 12.43″

Folgend die Rückseite desselben Dokuments wie vor:

Die Rückseite zeigt folgenden Text:

Am linken Rand im vertikalen Zeilenfall: „Alle Wehrmachturlauber haben sich bei Fliegeralarm sofort mit Gasmaske unaufgefordert an ihrem Aufenthaltsort zum Luftschutzdienst zur Verfügung zu stellen.“

„1. Dieser Urlaubsschein ist nur den Kontrollorganen der Wehrmacht vorzuzeigen.
2. Jeder Urlauber hat sich am Urlaubsort – sofern der Aufenthalt länger als 48 Stunden dauert – innerhalb der ersten 48 Stunden bei der Wehrmacht-Standortkommandantur (Wehrmacht-Standortältesten) oder in Orten, die nicht Standort sind, bei der Ortspolizei (Gemeindamt) zu melden. Die Meldung hat er sich hierunter bescheinigen zu lassen.
3. Verschwiegenheit und Zurückhaltung bei Gesprächen ist Pflicht.
4. Bei Erkrankung sofort den nächsten Wehrmachtarzt (Standortarzt, Lazarett; Zivilarzt nur in Notfällen) aufsuchen.
5. Bei Zweifel über Rückreiseziel Auskunft nicht bei Zivilbehörden, sondern nur bei Wehrmachtdienststellen einholen.
6. Ist der Inhaber Selbstverpfleger mit Lebensmittelkarten für Normalverbraucher der Zivilbevölkerung? ja — nein — *) ((Fußnote: Nichtzutreffendes streichen)).
7. Abgefunden mit: Gebührnissen bis einschl. , Verpflegung in Geld bis einschl. Verpflegung in Natur: Brot bis einschl. , Mundverpflegung bis einschl. Reichsurlauberkarten (Reise- und Gaststättenmarken) – bei Urlaub bis zu 3 Tagen – bis einschl. Feinseife bis einschl. , Rasierseife bis einschl. . ((Paraphe: ))
8. Hat als Teilnehmer der Wehrmachtverpflegung während des Aufenthaltes am Urlaubsort vom bis einschl. Anspruch auf Reichsurlauberkarten von der zuständigen Kartenausgabestelle. Die Aushändigung hat die Kartenausgabestelle hierunter zu bescheinigen.
9. Anspruch auf Tabakwaren vom ((Stempelabdruck )) bis ……. sind …… (in Worten) Tage.
10. Dieser Urlaubsschein ist nach Rückkehr vom Urlaub der Wehrmachtdienststelle abzugeben.
11. Besondere Vermerke (z.B. über das Tragen bürgerlicher Kleidung am Urlaubsort u.a.): …….
(Einträge zu Ziff. 11 sind hier durch Unterschrift des Einheitsführers besonders zu bescheinigen.)

Unterschrift des Einheitsführers zu Ziffer 6-9. ((Unterschrift unleserlich, Stempelabdruck .

Bescheinigung über Meldung am Urlaubsort:
gemeldet am:
(Ort, Datum, Stempel oder Unterschrift)

Bescheinigung der Kartenausgabestelle:
Reichsurlauberkarten ausgehändigt für die Zeit vom …… bis …… einschl.
(Ort, Datum, Stempel oder Unterschrift)
((Feld gestrichen,  Unterschrift oder ähnlich))

10a“

+++